Auf den Spuren E. A. Poes
In Heidelberg hat sich die neue Intendanz entschieden, in jeder Saison «die spannendste neue Oper des letzten Jahres» zu präsentieren. Den Anfang macht man nun mit «Berenice», uraufgeführt bei der Münchener Biennale 2004 (siehe OW 7/2004). Der junge österreichische Komponist Johannes Maria Staud und sein Librettist, der renommierte Lyriker Durs Grünbein, haben sich dabei einer Novelle von Edgar Allan Poe angenommen: Literaturoper. Und weil die Sache zudem in einer alten Bibliothek spielt, befürchtet man zunächst viel Staub. Doch die Geschichte erweist sich als operntauglich.
Egäus ist ein blasser Jüngling, der zusammen mit seiner attraktiven Cousine auf einem ehrwürdigen Familiensitz lebt. Er vertieft sich in die alten Folianten statt in die junge Berenice. Sie leidet, er merkt’s nicht. Erst als sie schwer erkrankt und abgezehrt ist, erinnert er sich ihrer Reize. Weil nur ihre Zähne unverändert schön sind, steigert er sich in einen Zahnfetischismus hinein. Das Ergebnis ist grausig: Während er sich an das Kästchen klammert, in dem er ihre zweiunddreißig makellosen Kauwerkzeuge verwahrt, berichtet ein Bediensteter «von der Schändung des Grabes, von dem entstellten, aus den ...
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Frau Rosenberg, als Sie 2001 als Intendantin in San Francisco antraten, hatten Sie hoch gesteckte Ziele und wollten das Publikum sowohl mit einer Menge dort unbekannter Musik als auch mit Regietheater europäischer Prägung konfrontieren. Wie viel davon konnten Sie verwirklichen?
Ich denke, ich habe etwa die Hälfte von dem erreicht, was ich wollte. Ich habe, milde...
Schon zwei Wochen bevor der neue Generalmusikdirektor der Frankfurter Oper bekannt gegeben wurde, zeigte das Orchester eindeutig, wen es auf diesem Posten sehen will: Für Sebastian Weigle legten sich die Musiker bei der Premiere der «Pique Dame» mächtig ins Zeug und produzierten einen satten Tschaikowsky-Sound der Spitzenklasse – eine klare Abstimmung mit den...
Da streiten sich zwei Männer um eine Frau, nicht etwa, um sie zu gewinnen, sondern um sie loszuwerden. Denn die Frau ist die widerspenstige, herrschsüchtige Rita, Schankwirtin, respektive – in der Lausanner Inszenierung – Inhaberin einer zwielichtigen Strandbar. Sie hat den trotteligen Peppe geheiratet, nachdem ihr erster Ehemann, der Seemann Gasparo, für...
