«Ich war nie vorsichtig»

Als wir uns in einem kargen Nebenraum des Berliner Schiller Theaters treffen, hat DMITRI TCHERNIAKOV bereits den ganzen Tag Wagner geprobt. Die gerade überstandene Grippe steht ihm noch ins Gesicht geschrieben,aber von Müdigkeit oder Erschöpfung keine Spur. Wenn es um Theater oder Oper geht, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Ein Gespräch über Kinder- und Studienjahre in Moskau, über Komplexe und Obsessionen, die fremd-vertraute Heimat und «Parsifal» als persönliche Prüfung

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Herr Tcherniakov, kürzlich haben Komponisten, Sänger, Regisseure, Bühnenbildner, Operndirektoren und Dramaturgen in Heidelberg einen ganzen Tag lang über «politisches Musiktheater heute» diskutiert. Können Sie mit diesem Begriff etwas anfangen? Hat er eine Bedeutung für Ihre Arbeit?
(überlegt lange) Es gab vielleicht mal Zeiten, in denen dieser Begriff wichtig war. Zum Beispiel für Ruth Berghaus oder für Peter Konwitschny, den ich sehr verehre. Vor zehn, fünfzehn Jahren habe ich versucht, alles von ihm zu sehen.

Ich habe auch von dem Symposium in Heidelberg gehört. Ich weiß, dass Konwitschny dort zwei neue Stücke inszeniert hat. Mir ist völlig klar, wovon hier die Rede ist. Aber was ich in meinem Leben gemacht habe, ist etwas anderes. Ich glaube nicht daran, dass künstlerische Äußerungen das Bewusstsein der Menschen wirklich verändern können. Jedenfalls habe ich das höchst selten erlebt. Bücher können vielleicht etwas verändern, aber die Aufführung einer Oper? Nein. Für mich war Oper immer ein sehr persönliches Erlebnis. Ich entdecke da viele Dinge, die mich selbst beschäftigen: Verluste, Komplexe, Ängste, bestimmte Erlebnisse.

Ihre Inszenierungen werden, zumal in Deutschland, oft ...

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Opernwelt April 2015
Rubrik: Interview, Seite 34
von Albrecht Thiemann

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