Sinn und Gegensinn

Simone Young und Bo Skovhus triumphieren in Hamburg mit Aribert Reimanns «Lear»

Opernwelt - Logo

Es ist schon eine gute Weile her, dass Simone Young nach der ersten Pause einer Aufführung in Hamburg mit Beifall empfangen und danach mit enthusiastischem Jubel verabschiedet wurde. Beim Start in die Saison 2011/12 mit Mozarts «Don Giovanni» war es, auch wegen der gefallsüchtigen Inszenierung von Doris Dörrie, zu lauten Unmutsäußerungen gekommen, die zwar in der Sache verständlich waren, in der neuhanseatisch-rüpelhaften Manier indes unerträglich. Knapp zwei Monate später rief die Dirigentin den Hamburgern ein «Viva la libertà» zu.

Sie kündigte an, die Intendanz 2015 abzugeben – von fern, in einem Interview mit dem Wiener «Standard».

Angesichts der latent animosen Gestimmtheit von Teilen des Hamburger Publikums  – Simone Young hat ihre Hamburger Erfahrungen als Grund dafür angeführt, keine weitere Intendanz annehmen zu wollen – kam es überraschend, dass ihr mit der Aufführung von Aribert Reimanns «Lear» ein großer Wurf geglückt ist: mit einer glänzenden Orchesterleistung wie dank einer dramatisch-furiosen Darstellung der Titelpartie durch Bo Skovhus.

Die Uraufführung dieser Oper hätte 1978 in Hamburg stattfinden sollen. Die Staatsoper hatte die Shakespeare-Vertonung 1974 bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Die Hochzeit – ein Traum

Einen Zyklus mit Meisterwerken des 20. Jahrhunderts zu starten, ist keine neue Idee. Aber darum wird ja nicht schlechter, was das Badische Staatstheater unter seinem neuen Intendanten Peter Spuhler in Szene setzt. Noch verdienstvoller indes: Den Anfang markiert in Karlsruhe «Romeo und Julia auf dem Dorfe» von Frederick Delius.

Die Väter bekriegen sich. Die Kinder...

Gewalt und Groteske

Die «Deutsche Seele» ist zurück! – als Revival, als Reflexion in Buch und Bild, als Sehnsucht nach Wald und Flur, Nestwärme und Dämonie. Was hat der Franzose Dominique Horwitz damit zu schaffen, der schon den Teufel im Hamburger Freischütz-Musical «The Black Rider» gespielt hat? Was kümmern den Spanier Calixto Bieito die Obsessionen in der ersten deutschen...

Böse Pastorale

Nach dem Erfolg mit Molière/Lullys comédie-ballet «Der Bürger als Edelmann» und Lullys tragédie en musique «Cadmus et Hermione» haben der Dirigent Vincent Dumestre samt seinem Orchester Le Poème Harmonique und der Regisseur Benjamin Lazar mit der favola drammatica musicale «Egisto» von Pier Francesco Cavalli neuerlich ein Werk aus der Frühzeit der Oper auf seine...