Postmoderne Geschichte

Neapel, Panni: Garibaldi en Sicile

Opernwelt - Logo

Das war die kurzweiligste Geschichtsstunde, die ich je erlebte: «Garibaldi en Sicile» von Marcello Panni, uraufgeführt an Neapels Teatro San Carlo. Thema des his­to­rischen Bilderbogens ist die Befreiung und Eroberung Siziliens durch Garibaldis Freiwilligenregiment im Jahr 1860, die der Herrschaft der neapolitanischen Bourbonen über Süditalien ein Ende bereitete. Über die Landung der «Tausend» in Marsala und ihren Feldzug auf der Insel berichtet die Geschichtsschreibung oft im Stil der Heldensagen.

Panni dagegen behandelt seinen Stoff aus der Distanz von anderthalb Jahrhunderten mit augenzwinkernder Ironie, erzählt die erhabene Geschichte sozusagen in Anführungszeichen. Spielerische Attitüde, Leichtigkeit und Verfremdung sind die Devisen seiner surrealistisch angehauchten Oper, einer Huldigung zu Garibaldis 200. Geburtstag im Jahr 2007.
Ihr liegt eine originelle Dramaturgie zu Grunde. Das Gerüst des Librettos bilden die Berichte über den Sizi­lien-Feldzug von Alexandre Dumas Vater, der Garibaldi als Kriegschronist begleitet hatte. Dessen unter dem Titel «Les Garibaldiens» veröffentlichte Texte entdeckte der Komponist in einer Pariser Buchhandlung. Sein Kunstgriff: Dumas wird in die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: panorama, Seite 44
von Gabor Halasz

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Die wirklich großen Künstler sind völlig normal»

Herr Schöne, im März sind Sie nach einer Vorstellung als Kurwenal im «Tristan» nach zweiunddreißig Jahren im Ensemble der Staatsoper Stuttgart verabschiedet worden: Hier gilt die gesetzliche Altersgrenze. Sie werden in Zukunft zwar gelegentlich in Stuttgart singen, auch wenn Albrecht Puhlmann in der Spielzeit 2006/07 seine Intendanz antritt – aber als Gast. Hat der...

Müller-Siemens: Die Menschen

Mit seinem Engagement für Zeitgenössisches stieß ­Aachens scheidender Intendant Paul Esterhazy auf unterschiedliche Reaktionen. Als Dramaturg begleitete er die Mannheimer Uraufführung von Detlev Müller-­Siemens’ «Menschen» und hat das Werk jetzt nach ­Aachen geholt. Ein «harter Brocken», nimmt das Werk doch radikal Abschied von Traditionen. Der Komponist spricht...

Die Drei von der Glücksquelle

Rund zwanzig Opern und Singspiele hat Albert Lortzing bis zu seinem Lebensende anno 1851 komponiert. Jahrzehntelang standen davon nur «Zar und Zimmermann» und «Der Wildschütz» im ständigen Repertoire. Jetzt hat das Theater im mittelsächsischen Freiberg die 1849 in Leipzig uraufgeführte «Komisch-romantische Zauber­oper» mit dem Doppeltitel «Rolands Knappen oder Das...