Aberwitzig
Solche Abende gibt es. Sie heben hoch an, schütten aus extremer (Fall-)Höhe eine Unmenge an Bildern, Assoziationen und Allusionen auf die Bühne herab, sind für sich genommen virtuos in ihrer Diskursvernarrtheit – aber das eigentliche Stück, seine Psychologie, mehr noch: die musikalische Semantik vergessen sie darüber fast vollständig. Ein solcher Abend ist die Neuproduktion von «La forza del destino» in Frankfurt.
Natürlich kann und darf man fragen, welche Kontexte der Topos «Schicksal» heute eröffnet, wie viel von seinem emotionalen (und etymologischen) Gehalt übriggeblieben ist. Und ja, auch diese Oper Verdis, die am Main in der radikalen Sankt Petersburger Urfassung von 1862 aufgeführt wird, enthält gesellschaftlich relevante Elemente. Das Ganze jedoch als einen Parforceritt durch die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika anzulegen, dehnt die interpretatorischen Möglichkeiten denn doch zu sehr. Wenn Giuseppe Verdi überhaupt etwas dezidiert Politisches im Sinn hatte, war es der (ein Jahr vor der Uraufführung der Oper mit der Inthronisation Vittorio Emmanueles erfolgreich zum Ziel geführte) italienische Freiheitskampf, das Risorgimento. Eine szenische Abhandlung über ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jürgen Otten
Kurz nach der Uraufführung seines gemeinsam mit dem Komponisten Philip Glass entwickelten Kultstücks «Einstein on the Beach» im Juli 1976 stellte Robert Wilson rundheraus fest: «Verdi mache ich nie.» Nun ja. Ist doch der «Trovatore», den der texanische Theatermann jetzt in Bologna vorstellte – eine Koproduktion mit dem Verdi Festival in Parma –, inzwischen seine...
Kaum sind die Lichter im Saal erloschen, platzen sie aus dem Nichts hervor: die Autohupen, die krass klingen, aber in Rede und Gegenrede ein artiges Ensemble bilden. Der fulminante Einstieg mitsamt seiner Fortsetzung, mit dem Röhren der tiefen Blechbläser und des Kontrafagotts, mit dem Auftritt des dauerbesoffenen Piet vom Fass (Alexander Kaimbacher) und mit der...
Das hat sich Eduard Tobler, Besitzer der Berliner Tobler-Werke, fein ausgedacht: einmal inkognito als armer Mann in den Winterurlaub zu reisen, um herauszufinden, ob er im Grandhotel dann ebenso gut behandelt wird wie die Millionäre, zu denen er eigentlich gehört. Nur dass ihm zum einen seine Tochter dazwischenfunkt, die dem Hoteldirektor vorab verrät, dass da gar...
