An der Rampe
Berthold Goldschmidt gehört zur «verlorenen Generation» deutsch-jüdischer Komponisten, die – oft erst am Beginn ihrer Karriere – der Verfolgung durch die Nationalsozialisten anheimfielen. Viele von ihnen wurden nach dem Ende des Krieges vergessen, teils, weil die «Unwert»-Urteile der NS-Musikpublizistik nachwirkten, teils, weil ihre Musik den Konzeptionen der Nachkriegs-Avantgarde entgegenstand. So konnte es geschehen, dass Goldschmidts Oper «Beatrice Cenci» erst 44 Jahre nach ihrer Fertigstellung uraufgeführt wurde – 1994 in Magdeburg.
Damals zog die Kritik Vergleiche mit Brittens kurz zuvor entstandenem «Peter Grimes». Doch ist wohl eher der sachliche Neobarock der zwanziger Jahre als Bezugspunkt anzunehmen, Hindemiths «Cardillac» etwa. Auch in «Beatrice Cenci» dominieren polyphone Stimmführungen über bewegten Basslinien, der Orchestersatz ist sparsam, der Ton der Musik von einer bisweilen geradezu demonstrativen Nüchternheit – als habe der Komponist sich das Geschehen auf der Bühne buchstäblich vom Leib halten und jede Empathie mit den Figuren versagen wollen.
Denn die Handlung – nach einem historischen Vorfall aus dem 16. Jahrhundert – ist von überwältigender Entsetzlichkeit: Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Ingo Dorfmüller
Mitten hinein in den Höhepunkt der Kölner Opernkrise fiel die letzte Neuproduktion für das marode Stammhaus am Offenbachplatz, das zwecks Sanierung nun bis 2015 geschlossen bleibt. Anfang Mai gingen noch die Wogen über die nicht gesicherte Finanzierung der kommenden Spielzeit und den angekündigten Abgang des Intendanten Uwe Eric Laufenberg hoch, die Premiere von...
Für viele gehört Dietrich Fischer-Dieskau neben Enrico Caruso und Maria Callas zu den drei wichtigsten Sängern des 20. Jahrhunderts. Was er mit den beiden gemeinsam hatte, war weder das Repertoire noch die Art zu singen, sondern die immense, durch Aufnahmen gestützte Wirksamkeit. Fülle und Vielfalt seines Repertoires waren und sind ohne Vergleich. Er hob das...
Beim Namen Dessau denkt man heute vor allem an das legendäre Bauhaus. Sieben glorreiche Jahre lang war die Zukunft in der Stadt zu Hause. Schon 1931 aber siegten die Nazis bei den Gemeinderatswahlen und machten sich sofort daran, die Avantgardisten zu vertreiben. Als der «Führer» 1938 den Dessauern als Ersatz für das 1922 abgebrannte Stadttheater einen wuchtigen...
