Und nun?
Amfortas hat sich fast entblößt. Sein blutverschmiertes Unterzeug lässt keinen Zweifel: Klingsors Speerstoß traf die Genitalzone. Nach der Gralsenthüllung, zu der Amfortas mühsam geschleppt wird, kriecht der blütenweiße Parsifal auf allen Vieren auf ihn zu. Mag er auch nicht begreifen, was er sah – neugierig geworden ist er. Einen ersten Schritt auf die Erlösung des malträtierten Königs hin hat er getan. Den Weg zum Heilsbringer, diesen Entwicklungsroman beschreibt die neue Freiburger Wagner-Erkundung des Regisseurs Frank Hilbrich.
Die Stationen dieser Bewusstwerdung sind genau erfasst, der Schock zumal, den Kundrys erotischer Übergriff in ihm auslöst. Auch wenn er, zum weltenwandernden Schwarzen Ritter geworden, zur Fußwaschung tolpatschig die Stiefel anbehält: Seinen Wandlungsprozess, den ihm zugewachsenen Lebensernst – all das verdeutlicht die Regie. Eine Regie im Übrigen, die nie zur Bevormundung des Zuschauers wird, sondern eine, die Auslegungsvorschläge zu unterbreiten, die immerzu zu sagen scheint: So könnte es gewesen sein. Auch wenn die Kostümbildnerin Gabriele Rupprecht den jungen Mann dem Faschistennachwuchs zuordnet. Führergesten übt er jedenfalls schon mal.
Eine dichte, ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Heinz W. Koch
Eine Halle von der Größe zweier Fußballfelder. Meterhohe, düstere Eisenkolosse, die aus dem Boden ragen wie halb eingegrabene Monster. Riesige Räder, Kessel, Rohre. Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass in der Völklinger Hütte zuletzt der Stahl floss. Aber es riecht immer noch nach Maschinenöl, stickig, nach Rauch.
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Manche Dirigenten leisten den Mammutteil ihrer Arbeit in den Proben, setzen im Konzert sozusagen nur noch das i-Tüpfelchen auf. Nicht so Claudio Abbado. Nicht selten hat er Musiker verärgert, weil sie in den Proben einfach nicht wussten, worauf er hinauswollte, weil er nichts verriet, sie einfach spielen ließ. Aber im entscheidenden Moment setzt sich dann plötzlich...
