Traditionelle Moderne

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Wer den optischen Overkill des überbordenden Bayreuther «Parsifal» von Chris­toph Schlingensief noch im Kopf hat, atmet erleichtert auf bei diesem drei Akte lang nur wenig variierten Bunker und der stilisierten Regie von Nikolaus Lehnhoff in der Aufzeichnung des «Parsifal» aus Baden-Baden. Der Gral als weißer Spalt in einer gewölbten Wand, durch den die Grals- als Kreuzritter wiederkehren – das ist interessant gedacht, aber seltsam anzuschauen, ebenso die vermummten Blumenmädchen mit ihren Flossen, was so erotisch anmutet wie die Mägde in ­alten Inszenierungen von «Elektra».

Ras­ta­locken und Abenteuer-Look charakterisieren Parsifal, futuris­tisch Aufgedonnertes dagegen bei Kundry und Klingsor im Zauberschloss.
Waltraud Meier stattet die Kundry wie gewohnt mimisch wie gesanglich mit vielen Facetten aus, während Christopher Ventris zwar sehr natürlich, aber weniger charismatisch und unbedarfter singt, als dies selbst einem tumben Toren gebührt. Das augenrollende ­Pathos Thomas Hampsons als in schweren Decken über die Bühne wankender Amfortas dagegen ist schwer erträglich, während Matti Salminen einmal mehr einen grundsoliden, sehr präsenten Gurnemanz gibt.
Kent Naganos Lesart wirkt ...

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Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 15
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
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