Eine Enttarnung
Hysterische Zwischenrufe während Theateraufführungen haben etwas von fäkalen Bauchlauten nach einem reichhaltigen Essen: Zwar kontaminieren sie die Atmosphäre, doch künden sie auch von intensiver Reaktion auf die Materie. Im Theater an der Wien, bei Verdis «Attila» in Peter Konwitschnys Inszenierung, gab es während der Premiere einen Entrüstungssturm, lautstarke Scharmützel zwischen Gegnern und Anhängern, auch manch verbales Gerülpse unter der Gürtellinie.
Eine renommierte deutsche Tageszeitung jubelte: Endlich wieder ein zünftiger Opernskandal!
In der hier beschriebenen dritten Vorstellung blieb es in dieser Hinsicht zivil; dafür kündete das Buch im Foyer, das normalerweise die Adressen von Informationsbedürftigen aufnimmt, vom Frust mancher Besucher – darunter auch solcher aus Italien. «Vergogna», Schande, hatte einer geschrieben, und natürlich das Übliche: «Povero Verdi!». Daneben ein etwas unleserlicher Name, den man auch als «Adorno» hätte entziffern können.
Kryptischer Hinweis eines Insiders? Der Philosoph war vor mehr als einem halben Jahrhundert in seiner «Einleitung in die Musiksoziologie» ja mit der Darstellbarkeit von Oper scharf ins Gericht gegangen: «Unablässig hat ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Gerhard Persché
«Lulu» ausstaffiert oder amputiert? In der komplettierten, der Dreiakt-Version – oder als Fragment? Wollte Alban Berg diese Oper womöglich nicht vollenden? Hatte er etwa eingesehen, dass schon Wedekinds Doppeltragödie nach Doktor Schöns Tod problematisch war? Im Jahr 1962, als die nun auf DVD vorliegende legendäre Produktion unter Karl Böhm anlässlich der Wiener...
Das Doppeljubiläum, in dem wir uns immer noch befinden, hat in der Wagner-Literatur deutliche Zuwächse gebracht, erstaunlich, weil man denken konnte, es sei genug über Wagner publiziert worden. Giuseppe Verdi hingegen, den Aufführungszahlen nach doch wohl weltweit noch über Wagner stehend, wurde in deutscher Sprache deutlich weniger gewürdigt. Die Gründe mögen...
Bis auf den «Fliegenden Holländer» ist der Katalog der großen Werke Wagners bei dem von Ádám Fischer vor acht Jahren initiierten Festival «Wagner in Budapest» jetzt vollständig: Mit den «Meistersingern von Nürnberg» feierte die ungarische Hauptstadt den 200. Geburtstag des Meisters. Dank Schwiegervater Franz Liszt und seiner ungarischen Mitstreiter galt Budapest ja...
