Zerhackte Seelen
Das Stück war nicht etwa uninteressant, es war einfach zu interessant, und deshalb war es schnell weg»: So deutet Peter Konwitschny das Schicksal von Paul Dessaus Oper «Lanzelot», uraufgeführt 1969 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, nirgendwo mehr inszeniert seit 1972. Der Regisseur, Jahrgang 1945, war selbst Mitakteur der (staatlich gelenkt) blühenden, dazu repressiven Kulturepoche der DDR. Und nur einer wie er, sollte man meinen, aufgewachsen im deutschen «Realsozialismus», kann die Wiederentdeckung des «Lanzelot» zu seiner Sache machen.
Dessau komponierte das unbändig auftrumpfende Bühnenwerk hochbetagt, längst legendär geworden durch seine Musiken zu den Stücken Brechts. Sogar als 75-Jähriger war der neben Hanns Eisler zweite amtierende Guru der Musikmoderne im «anderen» Deutschland noch seines Handwerks und kritischen Geistes mächtig.
So rankte man jetzt an Weimars Deutschem Nationaltheater um «Lanzelot» dankbar ein paar runde Jubiläumsdaten, feierte Dessaus 125. Geburts- und 40. Todestag sowie den mit 30 Solopartien ausgestatteten «Lanzelot», vor 50 Jahren als «sozialistische Revolutionsoper von der Selbstbefreiung der Menschheit» in der Regie der mit Dessau ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Wolfgang Schreiber
Dass in dem Wort Qualle die Qual enthalten ist, wäre eine kalauernde Erklärung, warum während des Finales im dritten «Figaro-Akt eine gewaltige Medusa mit Tentakeln sich wie ein fahler Mond am Horizont erhebt. Klar, eine Metapher, trotzdem unschön anzusehen, wie die seelische Qual, die sich hier das Hauptpersonal gegenseitig bereitet. Für Programmheftleser...
Die Widrigkeiten und Wirrnisse, mit denen viele Kultureinrichtungen in Italien zu kämpfen haben, scheinen das Donizetti Festival in Bergamo kaum zu tangieren. Über einen Zuschauerzuwachs von zuletzt 30 Prozent können sich der Künstlerische Leiter Francesco Micheli und Musikchef Riccardo Frizza freuen. Mehr als die Hälfte der Besucher kommen aus dem Ausland: aus...
Ach, wer bringt die schönen Tage wieder? Vor Elsas Fenster liegt ödes Land: abgegraste Stoppelfelder, düster, kahl und kalt wie die Menschen, die hier leben. Goldfunkelnd leuchtet das Gralsmotiv aus dem Graben, Elsa kauert auf dem Bett, an der Zimmerwand erinnert ein Jagdhorn an den verschollenen Bruder.
In der Dortmunder Inszenierung von Ingo Kerkhof scheint der...
