So passt's: Sasha Cooke (Marnie) mit Daniel Okulitch (Mark Rutland); Foto: Theater/Richard Hubert Smith

Leicht verdaulich

Muhly: Marnie
London | English National Opera

Opernwelt - Logo

Nach «Two Boys» und «Dark Sisters» hat sich der Komponist Nico Muhly jetzt «Marnie» vorgenommen – Winston Grahams von Alfred Hitchcock verfilmten Psychothriller. Eine pathologische Lügnerin raubt darin ihre Arbeitgeber aus, um unter neuem Namen anderswo von vorn zu beginnen. Bis einer sie durchschaut, abpasst, in flagranti erwischt und zur Heirat zwingt. Die Ehe gerät entsprechend unterkühlt – anfassen darf Mark Rutland Marnie nicht. Als er ihr Pferd auf sein Anwesen holt, lässt sie sich immerhin auf eine Psychoanalyse ein.

Traumata werden angedeutet: eine sich prostituierende Mutter, ein toter Säugling, ein sich bis in die Gegenwart fortsetzendes Kontinuum männlicher Gewalt. Nach einem für das Tier tödlichen Reitunfall macht Marnie sich davon, doch wieder kommt sie nicht weit: Auf der Beerdigung ihrer Mutter lässt ihr Schwager Terry sie festnehmen. «I am free» singt sie, als die Handschellen zuschnappen: Sie hat sich erkannt, das Versteckspiel ein Ende.

Das Szenario in dieser Koproduktion der Londoner English National Opera und der New Yorker Met setzt auf filmhaft flotte Szenenwechsel. Auf Julian Crouchs Bühne gelingt das mit stelenartig schmalen Kulissen, die sich nicht nur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Der Schöpfer würfelt

Ein Männlein steht im Walde, aber eigentlich ist es kein Männlein, sondern die Königin der Nacht. Und es gibt auch keinen Wald. Aber still und stumm ist es dann doch, weil nach exakt 45 Minuten Schluss ist mit «Europeras 2», dem vor der Pause der doppelt so lange erste Teil vorangegangen war. Begonnen hatte dieses Musiktheater-Vexierspiel mit John Cages legendärem...

Lost in Space

Eine neue «Bohème», kurz vor Weihnachten in Paris, mag man an der Opéra national gedacht haben, das passt wie der Weihnachtsbaum auf die Place de la Concorde. Spielen doch mindestens die beiden ersten Akte des Stücks just am Heiligen Abend in der französischen Hauptstadt. Doch sollte man in der Intendanz darauf spekuliert haben, dann hätte man die Rechnung...

Das erste Mal

Es ist nicht nur die erste «Alcina» der Washington National Opera – sondern auch ihre erste Händeloper seit «Tamerlano»  2008. In den Staaten kam «Alcina» erst 1960 an: Joan Sutherland trat an der Dallas Opera in einer üppigen, musikalisch traditionellen Zeffirelli-Inszenierung auf. Stilistisch fuhr das Stück an der New York City Opera besser (sowohl 1983 mit Carol...