Ein Traum – das Leben
Es kann so einfach sein. Ein kleiner Trick, ein genaues Lesen, und schon entsteht theatralische Wahrheit dort, wo man sie nie vermutet hätte. Denn seien wir ehrlich: Ist Donizettis «Lucrezia Borgia» nicht eigentlich ein Himmelfahrtskommando für jeden Regisseur? Gift und Gegengift, Mutterliebe und Muttermonster, Ehehölle und höllische Ehrbegriffe. Victor Hugo hat alles zusammengeklaubt, was die finstere Renaissance an Mord und Totschlag hergab. Der Name Borgia ist Programm. Und er ließ sich prächtig implantieren in die affektierte Düsternis der französischen Romantik.
Wenn Donizetti das Ganze mit Harfenglitzern und melodischer Edeldiskretion beleuchtet, wird es kaum logischer. Oder doch?
Christof Loy versucht auf der leeren, nur aus abgenutztem Bretterboden und einer halbhohen Rückwand mit den neonbeleuchteten Lettern der Titelfigur bestehenden Bühne gar nicht erst, eine Geschichte mit Anfang und Ende zu erzählen. Er nimmt den aktlangen Prolog als das, was er ist: eine Richtmarke für alles Folgende. Lucrezia und ihr Sohn Gennaro begegnen sich in einer Art Traumspiel. Nicht wirklich, aber eben doch viel scheuer, zärtlicher, wahrer, als es in der Realität je möglich wäre. Bei (fast) ...
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Dallas wird in der Popkultur gern als Hauptstadt der Öl-Barone porträtiert. Ganz im Gegensatz zu diesem Klischee hat der vom Öl herrührende Reichtum aus Dallas während der letzten Jahre zunehmend eine Kulturstadt gemacht. Nicht erst mit dem Morton H. Meyerson Symphony Center, entworfen von dem berühmten Architekten I. M. Pei, mit dem Kimball Art Museum und unlängst...
Ulrich Schreiber nennt sie den «wichtigsten Beitrag Frankreichs zur veristischen Opernbewegung». Der gute alte Kloiber hatte schon Jahrzehnte zuvor die «fast surrealistisch überhöhten» Milieuschilderungen in Gustave Charpentiers «Louise» hervorgehoben. Eben diesen Weg, den vor kurzem Christof Loy in Duisburg (siehe OW 11/2008) gegangen war, wählt jetzt auch...
Auf Bildern ist Marisol Montalvo eine perfekte Lulu. Im Programmheft findet man die dunkelhäutige Schönheit: schlank, unbezähmbar, mit wild funkelnden Augen und irrem Lachen, überwältigt von Lust, ganz hingegeben an den Moment, kindlich und doch höchst gefährlich. Und denkt: Wer sonst als sie sollte die Lulu singen, dieses mythische Frauenwesen, diese...
