Die Quadratur des Kreises
Wer bin ich? «Ich bin die Vielen» – in dieses philosophische Paradoxon soll der Maler Egon Schiele seine künstlerische Persönlichkeit gekleidet haben. Ähnliches hatte ein Anonymus als Graffito an die Berliner Mauer gesprayt: «Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?» Wir lasen dieses Zitat kürzlich in der «Neuen Zürcher Zeitung» – im Zusammenhang mit einem Bericht über die Cindy-Sherman-Show im New Yorker MoMA.
Denn Sherman inszeniert sich selbst stets als eine Andere, stellte sich als vielfältige und unzählige Frauentypen unterschiedlicher Herkunft und in allen Altersstufen dar, ein Spiel mit der Identität.
Auch bei Marlis Petersens neuem Recital mit Goethe-Liedern mag man an ein solches Spiel denken, wenngleich auf andere Weise. Aber auch hier fließen die Person der Sänge-rin und die Personen der auf der Hörbühne vorgeführten Frauenfiguren Goethes – Stella, Klärchen, Gretchen, Mignon & Philine, Suleika, Helena – ineinander. Für jede findet die Sopranistin eigene Farben, wechselt die akustischen Kostüme, versteckt sich freilich nicht dahinter, sondern lässt stets ihre große Persönlichkeit durchscheinen. Man mag in dem Zusammenhang auch an ihre Bühnenerfahrung als Lulu denken. Lulu ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Medien/CD und DVD, Seite 22
von Gerhard Persché
Weiße Kuschelwolken, gleißender Himmel, ruhige See. Die Schönen der Insel aalen sich auf einer schicken, zweistöckigen Landungsbrücke. Ein herrlich süßes ägäisches Nichtstun-Leben auf der Insel Skyos geht einen Tag weiter. Wäre da nicht das so lustig hereintuckernde U-Boot, das nicht nur schnittige Soldaten auswirft, sondern auch Ärger, Kriegsnachrichten,...
Ein kleiner, weiß auf schwarz gestrichelter Stern leuchtet auf. Er wird größer, nimmt die Zuschauer mit ins Wunderreich der Nacht, ins Weltall, wo Planeten kreisen und Myriaden von Sternen. Die Reise endet im Nichts, in der Auslöschung. Es gibt kein Glück, weder in Cornwall noch auf Kareol, weder für Tristan noch für Isolde. Das ist in Hermann Schneiders...
Es wird viel Blut vergossen. Schon während des Vorspiels. Ein Video zeigt eine weiße Leinwand, in die eine Messerklinge langsam einen Schlitz schneidet, aus dem zäh der ganz besondere Saft tropft. Mit Blut besudelt ist auch Harald B. Thors weißes, an faschistische Machtarchitektur erinnerndes Einheitsbühnenbild, und üppig strömt es stets aus Amfortas’ Wunde. Im...
