Wahlverwandt
Seine genial simplen Klavierstücke, zumal die «Gymnopédies» und «Gnossiennes», kennt alle Welt. Unzählige Aufnahmen dokumentieren die zeitlose Popularität dieser aus der Zeit gefallenen Fingerübungen. Weniger ist mehr und langsam schöner als schnell, hatte Erik Satie da, noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert, mit jeder Note gesagt. Der donnernd-virtuosen Tastenzauberei, die damals aus den Pariser Salons und Konzertsälen drang, mit koketter Dilettantenattitüde eine Nase gedreht.
Trotz aller Hoffnung auf Anerkennung durch den bürgerlichen Musikbetrieb – seine Welt war eher die des Cabarets und der Cafés. Erstaunlich, dass die in dieser Sphäre entstandenen Lieder bis heute ausgeblendet blieben.
Dabei steckt in den leisen Miniaturen ein ironischer Esprit, der sich auch mehr als ein Jahrhundert nach den Pariser (Alltags-)Geschichten, auf die sie anspielen, noch vermittelt. Mit dem Bariton Holger Falk und dem komponierenden Pianisten Steffen Schleiermacher haben sich nun zwei Künstler sämtlicher Mélodies und Chansons angenommen, die deren köstlichen Witz in allen Facetten ausspinnen, jede der 41 Nummern in eine charmante, luftige Kostbarkeit verwandeln. Eine tour sentimentale zwischen ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Trotz Nellie Melba und Joan Sutherland gilt das Land der Kängurus und Koalas in Europa nicht gerade als Eldorado des Musiktheaters. Die Fähigkeiten der Pinchgut Opera aber dürften sich inzwischen herumgesprochen haben: Die private Kompanie präsentiert seit ihrer Gründung 2002 alljährlich die vollszenische Produktion einer Oper aus dem 18. Jahrhundert und stützt...
Als Musikhistoriker freue ich mich über jede Ausgrabung, Neugier gehört zum Beruf. Die Nagelprobe auf den Brettern erlaubt es, eine Oper ganz anders kennenzulernen als durch das Lesen der Noten.
Da man aber unmöglich alles ausgraben kann, stellt sich – wie überall im Leben – die Frage der Prioritäten. Die Phrase von «zu Unrecht» vergessenen Werken hilft dabei nicht...
Schnell, geradezu unweigerlich fühlt man sich durch den «Spieler» in die Sphäre einer Theatralik des Absurden versetzt. Noch über den klinisch-pathologischen Befund einer alle Fibern der Existenz erfassenden Sucht hinaus wird die Universalisierung des «Spiels» in diesem von Sergej Prokofjew selbst in Librettoform gebrachten Dostojewski-Stoff zur Metapher für eine...
