Gerüttelt und geschüttelt
Das Teatrino di Corte an Neapels Palazzo Reale ist ein vergleichsweise unbekanntes Juwel, das ganz im Schatten des majestätisch-prunkvollen Teatro San Carlo steht. Dabei ist in dem kleinen, 1768 fertiggestellten Theater so manche neapolitanische buffa aufgeführt worden, während man gestandene seria-Kost eher im San Carlo gab. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, diente das Teatrino zunächst als Kino für die alliierten Besatzungstruppen, bevor es 1954 restauriert und danach weiteren Renovierungsarbeiten unterzogen wurde.
Nun strahlt es mit seinen roten und goldenen Schmuckelementen, Statuen, Fresken sowie modernster Bühnentechnik in neuem Glanz. Für die Wiedereröffnung hatte der Musikwissenschaftler Ivano Caiazza besondere Arbeit geleistet: Endlich war Domenico Cimarosas «Il marito disperato» mit den originalen Orchesterstimmen und in jenem neapolitanischen Dialekt zu hören, den der Komponist sich für den Helden seiner Oper vorgestellt hatte – eine kaum minder aufwändige und liebevoll aufbereitete Restaurierung.
Im Zentrum der Handlung steht der wohlhabende, aber einfältige Don Corbolone. Er ist mit der Edelfrau Gismonda verheiratet. Ein bunter Reigen typischer Commedia ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Carlo Vitali
Sieben Premieren in drei Monaten, davon eine eigene Neuinszenierung und eine Eigen-Übernahme aus Wien: Zum Start seiner Ära am Bayerischen Staatsschauspiel überschwemmte Intendant Martin Kusej München mit Theater-Frischware. War’s eine Erholungsmaßnahme? Oder ein nicht mehr aufzulösender Vertrag? «Nebenbei» leistete sich Kusej jedenfalls einen Ausflug an die...
An der Final-Frage hatten auch die Münchner zu beißen. Franco Alfanos nachkomponiertes «Turandot»-Ende komplett oder (wie fast immer) gekürzt? Oder doch die Version von Luciano Berio aus dem Jahr 2002? Bayerns Staatsoper versuchte es immerhin während der Proben. Carlus Padrissa inszenierte die letzten zehn Minuten nach der Alfano-Digest-Variante – und man...
Als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts erlebt Hans Pfitzners zwischen 1909 und 1915 entstandener «Palestrina» gerade wieder eine seiner periodischen Konjunkturen mit Neuinszenierungen in München/Hamburg, Frankfurt a. M. und jetzt Zürich. Pfitzners spätere Verstrickung in den Nationalsozialismus muss dabei nicht zwingend eine Rolle spielen. Die...
