Alles nur Bluff
Menschen in blutgetränkten Shirts liegen reglos auf den Stufen vor dem Haupteingang der Semperoper. Zögerlich bahnen sich die Premierengäste ihren Weg zwischen den Körpern, gehen unter dem Banner «Heute: Weltuntergang» hinein. Das drohende Inferno inszeniert Calixto Bieito in Dresden mit
György Ligetis «Le Grand Macabre». Seine «Anti-Anti-Oper» greift auf Opernkonventionen zurück, führt sie aber gleichzeitig ad absurdum.
Statt mit einer Ouvertüre beginnt das Werk mit einem Konzertstückchen für 12 Autohupen – sehr ausdrucksvoll und mit viel Verve getutet von drei Schlagzeugern der Staatskapelle. Es ist ein großer Schabernack.
Nekrotzar, der Makabre, macht sich mit Saufkumpan Piet vom Fass auf den Weg, um das Ende der Welt offiziell beim Prinzen zu verkünden. Schrullige Bewohner säumen ihre Tour. Ein Komet soll das Bruegelland zerstören, und somit alles, worum es sich hier dreht: Macht, Hunger, Sex. Für Bieito ein gefundenes Fressen. Nekrotzar als vulgärer, ungepflegter Unsympath im Bademantel und mit Fleck im Schritt, nimmt sich denn auch jede Frau, die er kriegen kann. Mehr als zwei werden es allerdings nicht. Amando und Amanda stecken zum Liebemachen auf Unterleibshöhe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Nora Sophie Kienast
Warum Schubert die Komposition seines «Lazarus»-Oratoriums abbrach, ist nicht bekannt. Gut möglich, dass ihm der für den dritten Teil des religiösen Dramas vorgesehene hymnische Erlösungston des Librettisten August Hermann Niemeyer die Eingebung verhagelte. Das im Februar 1820 entstandene Werk endet mit einem hochdramatischen Rezitativ und Arienfragment, molto...
Lieber Herr Marton, ist das gute, alte Stadttheater, wie es in Deutschland existiert, generell ein Ort für Sie?
Es ist eher die Frage, ob es ein Ort für Musiktheater ist. In Deutschland existiert immerhin dieser Begriff «Musiktheater», der auch experimentelle Formen jenseits der Oper oder des Musicals bezeichnet. Aber institutionell existiert diese Genre – anders...
Wer dieses Stück ansetzt, sollte wissen, warum. Tatsächlich hat Jens-Daniel Herzog an seinem Haus Solisten und Barockspezialisten zur Hand, für die die über 350 Jahre alte Oper Francesco Cavallis eine schöne Herausforderung und Spielwiese ist. Szenisch bleiben bei «La Calisto» allerdings ein paar Fragezeichen. Natürlich empfiehlt es sich heutzutage, den obersten...
