Erst mal bunt
An diesen Basler Start wird man noch eine Weile denken. Kaum dass die Aufführung von Sergej Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» fünf Minuten alt war, brach Armin Jordan an jenem Pult zusammen, an dem er von 1971 bis 1989 als Chef gewirkt hatte und jetzt nach siebzehn Jahren erstmals wieder erschienen war. Vier Tage nach diesem Saisoneröffnungsabend des neuen Intendanten Georges Delnon starb der große Schweizer Dirigent (siehe Nachruf Seite 33).
Die Premiere selbst war vom Kapellmeister Lutz Rademacher, der ohnehin einige Abende leiten sollte, bravourös gerettet worden.
Es war ein Prokofjew à point: knapp, klar, nie redselig. Des Komponisten Scherzo-Trieb, sein Faible für die Parodie (nicht nur Wagners), sein düster-chromatisches Gebrodel, aber auch die Klangzartheit der erwachenden Liebe – das alles hat hier Kontur, ist scharf gerandet. Ein Prototyp für die Basler Herrichtung ist der berühmte Marsch: keck, spitz, vorwitzig auftrumpfend, für Sekunden auch zirkushaft lärmend, stampfend. Das sticht.
Die unerwartet dramatische Wendung des Einstandsabends hatte obendrein etwas Makabres. Einen Augenblick lang wähnte man nämlich, das plötzliche Erstarren der Bühnenaktion, die Aufregung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auch wenn Jacques Offenbach nach 1871 in Paris nicht mehr die zentrale Rolle spielte wie im Zweiten Kaiserreich, so schrieb er bis zu seinem Tod (1880) immerhin noch vierzig Bühnenwerke, von denen einige sehr erfolgreich waren. Freilich hatte er sich dem veränderten Zeitgeschmack anzupassen. Jetzt waren Feerien gefragt, Ausstattung und moderne Bühnentechnik...
Nicht eben einfach, dieser Weg zur Kunst. Wer weder Glück noch vertieftes Orientierungsgefühl besitzt, der wird es vermutlich schwer haben, das neue Glanzstück zu finden, das wie eine Fata Morgana unweit des Dresdner Flughafens inmitten einer somnambulen Gartenstadt auftaucht. Für einen Moment hat man das Gefühl, diese Abgeschiedenheit sei vielleicht gewollt,...
Seit fünfzehn Jahren ist René Jacobs Künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen. Er hat dem vor drei Jahrzehnten gegründeten Festival, das Geschäftsführerin Sarah Wilson stolz eine musikalische «Edelboutique» nennt, unverkennbar seinen Stempel aufgedrückt. Ob Cavalli, Cesti, Conti, Telemann, Hasse, Graun, Händel, Gaßmann, Monteverdi oder Mozart: Der...
