Ende einer Schlittenfahrt

Opernwelt - Logo

Seit den 1970er-Jahren sind Werk und Person Friedrich Hölderlins ein geheimer Fixpunkt der musikalischen Avantgarde. In dieses von Maderna bis Nono, von Rihm bis Holliger reichende Spektrum reiht sich auch der 1953 geborene Grazer Komponist Georg Friedrich Haas mit seiner 1996 für die Bregenzer Festspiele entstandenen Kammeroper «Nacht» ein, die jetzt in Frankfurt ihre deutsche Erstaufführung erlebte.

Haas hat die Hölderlin-Texte, die er sich aus dem Roman «Hyperion», dem Dramenfragment «Empedokles», der Sophokles-Übersetzung «Ödipus» sowie aus den Briefen Susette Gontards herausbrach, nicht im konventionellen Sinne vertont, sondern gleichsam musikalisch überschrieben. Wie in Holligers «Scardanelli»-Zyklus entsteht auf diese Weise eine Wort-Ton-Montage, die den Zuhörer/Zuschauer in ein inneres Theater der Stimmen und Klänge versetzt und dieses um das Bild der Nacht ortet.
Die Metapher der Nacht besitzt im Leben wie im Werk Hölderlins mannigfal­tige Anklänge und meint damit auch in Haas’ filmschnittartig in vierundzwanzig Sequenzen gegliederter Oper vieles neben- und ineinander – die Blindheit des antiken Ödipus (mit dessen Selbstblendung das Stück einsetzt); die geheime, der Welt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Magazin, Seite 26
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wer zündelt, ist selbst schuld

Dass Friedrich Nietzsche früh und folgenschwer vor «Carmen» in die Knie ging, hatte wenig mit Argumenten und viel mit persönlicher Befindlichkeit zu tun. Nietzsche brauchte «Carmen», um sich wirkungsvoll von Wagner abstoßen zu können. Wenn er sie nicht gefunden hätte, hätte er sie erfinden müssen. Deshalb ist an seinem «Carmen»-Bild viel Wahres, aber es hängt...

Edle Einfalt

«Idomeneo» ist gewiss Mozarts musikalisch reichste, dramatisch radikalste Partitur, die gleichermaßen die Tragédie lyrique Rameaus wie Glucks Opernreform beerbt und die höfische Seria im Geist des Wiener Sonatenstils überformt. Bereits in der festlichen Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrüchen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die Ausdruck und Tempo des Stücks...

Auf Janácek zugehen

«Seine Utopie» nennt Stéphane Lissner die Kooperationen mit den großen euro­päischen Musikbühnen als Teil von gesamteuropäischen Opernprojekten. Sie bilden eine Spindel auch des Programms der Wiener Festwochen. Seit diesem Jahr ist Lissner Musikdirektor der Wiener Festwochen und wird es, so heißt es zumindest im Moment, da dies geschrieben wird, trotz seiner...