Sprachlos
Den Grenzbereich zwischen Wahn und Wirklichkeit habe er ausloten wollen, sagt Librettist und Regisseur Alexander Müller-Elmau. Da ist es fast schon schade, dass er zur Motivation der unter dieser Prämisse entwickelten Bühnenaktion ein konventionelles Narrativ bemüht, das, wenn auch fragmentarisch aufgebrochen, Missbrauchserfahrungen und kindliche Traumata thematisiert. Freilich wird das Thema auf der Bühne nicht vordergründig behandelt, hält sich auch der Autor fern von schnellfertigem Psychologisieren.
Es erklärt sich wahrlich nicht alles, was an diesem Abend in der Oldenburger Exerzierhalle geschieht. Anoia – so lautet der (programmatische) Name der Hauptfigur: «Ohne Denken», «ohne Verstand» – Name und Stücktitel klingen wie eine ironische Verkehrung jener ambitiösen «Metanoia», die Jens Joneleit für die Berliner Staatsoper komponierte und die 2010 uraufgeführt wurde.
Man sieht eine junge Frau in kahlem Raum, gefangen in einem Glaskasten, eingesperrt in ihre verschobene, «verrückte» Wahrnehmung, doch damit zugleich geschützt vor ihren Traumata. Die bedrängen sie in Gestalt der übrigen Personen von außen. Sie belagern diesen Kasten, diesen Schutzraum, aggressiv, erzwingen die ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Ingo Dorfmüller
Bayreuth war immer schon politisch, die Bayreuther Festspiele auch. Dass der Dichter erst wieder dichten könne, wenn es keine Politik mehr gebe, diesen Satz hat Wagner seiner politisch-ästhetischen Utopie zwar vorangestellt, ohne sich selbst allerdings daran zu halten. Aus welchen praktischen Zwängen auch immer: Als 1876 die ersten Festspiele eröffnet wurden, waren...
Herr Schreier, Sie sind als Oratorien- und Liedsänger berühmt geworden. Die Oper kam erst später hinzu?
Ja, so ist es. Meine Entwicklung ging vom Dresdener Kreuzchor aus, von der Affinität zu den alten Meistern. Warum bin ich überhaupt zur Oper gekommen?! Ich werde es Ihnen sagen: Eine Gesangskarriere kann man nicht ohne Oper machen.
Fühlten Sie sich zur Oper...
Es könnte glatt eine Empfehlung von Frank Castorf sein. 2016 wird Jonathan Meese in Bayreuth den «Parsifal» – nein, sicher nicht inszenieren, aber in den ihm eigenen Kosmos eingemeinden. Meese sagt ja schon lange, dass ihn Wagners Musik anmacht, weil man bei ihr in Trance kommt. Mit einer «Parsifal»-Performance ist er bereits 2005 an der Berliner Staatsoper gewesen...
