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Für jeden Versuch, Wagners «Ring» als realistisch-gesellschaftskritisches Musiktheater zu erzählen, ist der dritte Akte der «Walküre» die größte Hürde: Während sich die «Rheingold»-Personage problemlos auf moderne Hierarchiemuster übertragen lässt und selbst der Drache im «Siegfried» schon längst als Maschinenpopanz entlarvt worden ist, will sich für die Wotanstöchter nach wie vor kaum eine überzeugende Analogie im wirklichen Leben finden.
Wo wären denn so wilde Mädchen, die tote Krieger einsammeln und auf das Kommando eines alten Herrn hören?
Die Antwort, die Barrie Kosky an Hannovers Opernhaus auf diese Frage versucht, ist immerhin spektakulär: Seine Walküren haben ihre Rüstungen mit alten Lederjacken vertauscht und sich eine verlassene Tankstelle als Treffpunkt ausgesucht. Selbstbewusst reihen sich diese bösen Motorradbräute an der Rampe auf und schleudern ihre Hojotohos als Kampfansagen ans Publikum – so sehen Walküren im MTV-Zeitalter aus. Ein polarisierender Knalleffekt ist diese an die Werke des US-Underground-Sexfilmers Russ Meyer («Die Satansweiber von Titfield») erinnernde Viertelstunde allemal. Leider aber auch nicht viel mehr. Denn schon die blutbesudelten nackten ...
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