Radikale Seelenschau
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde, wie ein Sprecher des Ensembles in einer Erklärung vor ausverkauftem Haus verlautbart und die Theaterfreunde um ihre Mithilfe und ihren Protest gegen die Kantonspolitik bittet.
Opernalltag zur Jahreswende 2005/06.
Oder doch nicht? Was Michael Thalheimer in seiner nunmehr zweiten Operninszenierung (nach Janáceks «Katja Kabanova» in Berlin) offeriert, ist ein kleines Theaterwunder, eine verblüffend einsichtige Umsetzung von Verdis Tragödie bar jeglichen Realismus, als szenisches Oratorium auf schneeweißer, portalbreiter Guckkastenbühne (Henrik Ahr), die, perspektivisch verjüngt, noch um einen tiefer liegenden Raum nach hinten ausgeweitet werden kann. Ein Raum, in dem Zeit keine Bedeutung mehr hat als Dimension, in dem es nur noch eine bestimmende Größe gibt: Leere. Dieser «Rigoletto» ist ein Kammerspiel, das in seiner ...
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Herr Stein, Sie haben vor zehn Jahren in Amsterdam «Moses und Aron» von Arnold Schönberg inszeniert. Nun sind Sie für eine neue Produktion von Hans Werner Henzes «The Bassarids» an De Nederlandse Opera zurückgekehrt. Beide Werke verhandeln fundamentale philosophische Gegensätze. Haben Sie eine Vorliebe für solche Konfrontationen?
Theater handelt immer von...
Barock gleich Pop, diese Formel ist spätestens seit David Aldens Inszenierungen en vogue. Dass neben der Unterhaltungslust tiefe Gedanken von Schuld und Tod den Barockmenschen beherrschten, wird gern außer Acht gelassen. So auch am Staatstheater Braunschweig, wo Andreas Baesler Monteverdis «Krönung der Poppea» inszeniert hat. Denn wo Barock Pop ist, ist Liebe...
Herr Ainsley, Sie singen Monteverdi, Henze und Mozart, Lied, Oratorium und Oper. Gibt es auch etwas, was Sie nicht singen?
Ja, natürlich. Rossini interessiert mich einfach nicht, obwohl Rollen wie der Graf Almaviva eigentlich gut zu meiner schnellen Stimme passen würden. Aber für mich liegt das Problem im Charakter dieser Rollen: Das sind, wenn man von den späteren...
