Krise als Chance
Herr Heppner, haben Sie sich mit dem Etikett vom Heldentenor abgefunden?
Das Problem bei diesem Begriff ist, dass die lyrische und damit vielleicht auch die gesangliche Komponente oft zu kurz greift. Heldisch, das suggeriert meist: laut und kraftvoll. Damit allein ist natürlich nichts gewonnen.
Geht es Ihnen um eine bestimmte Richtung von Gesangästhetik?
Zumindest ist das Problem komplexer, als in zwei Begriffen fassbar.
Belcanto im Wagner-Fach?
Die Richtung ist auf jeden Fall richtig.
Leider wird die Bezeichnung lyrisch-dramatisch auch als Gegensatz verstanden, als würde sich die Gleichzeitigkeit beider Komponenten ausschließen. Jeder dramatische Sänger muss auch lyrisch singen können, er muss Bögen formen, Farben produzieren, sich in der Dynamik zurücknehmen können – und eine Kunst des Minimalistischen, des Einfachen beherrschen.
Wie haben Sie sich, vor gut zehn Jahren, auf Ihren ersten Tristan vorbereitet, um das «Heldische» im Zaum zu halten?
Ich sollte den Tristan 1997 mit Georg Solti im Studio aufnehmen. Doch habe ich abgelehnt, da ich diese Partie nicht aufgezeichnet haben wollte, bevor ich sie auf der Bühne gesungen und Erfahrungen mit ihr gesammelt hatte. Die Rolle war mir ...
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