Die Ausstrahlung macht’s
Die Zeiten, als Leyla Gencer selbst die Jury für den von ihr initiierten Gesangswettbewerb nach Istanbul rief, sind natürlich lange vorbei. Vor vier Jahren ist die türkische Sopranistin in Mailand gestorben, fünf Monate vor ihrem 80. Geburtstag. Ihr Stammhaus war die Scala, ihre Wahlheimat Italien und Inbegriff der Gesangskunst für sie das Belcanto-Repertoire. Nach dem Bühnenabschied unterrichtete sie an der Accademia der Scala, zeitweilig sogar als Direktorin dieses Opernstudios.
Und irgendwann hatte sie die Idee, ihre Beziehungen im Mutterland Bellinis, Donizettis und Rossinis zu nutzen, um am Bosporus ein Forum für junge Stimmen aufzuziehen – und zwar in der Stadt, in der sie 1928 geboren worden und aufgewachsen war. Seit 1995 lädt die Leyla Gencer Voice Competition nach Istanbul, im Schnitt alle zwei Jahre. Unter den bisherigen Preisträgern finden sich prominente Namen: Im ersten Jahr etwa gewann Marcello Álvarez einen zweiten Preis, 2006 hob die Jury unter Federführung der Diva Turca die Georgierin Nino Machaidze auf das Siegerpodest, eine Gencer-Schülerin.
Organisiert wird der Wettbewerb von der privaten Kunst- und Kulturstiftung Istanbul (Istanbul Kültür Sanat Vakfi – IKSV). ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Albrecht Thiemann
Ein Wagnis ist das. Zwei wenig gespielte Stücke zum Saisonauftakt an der Oper Frankfurt, zwei Premieren innerhalb eines Monats. Miteinander zu tun haben Samuel Barbers «Vanessa» und Engelbert Humperdincks «Königskinder» nicht allzu viel. Immerhin wurden beide an der Metropolitan Opera in New York uraufgeführt (1910 bzw. 1958/1965). Auch wäre es kaum übertrieben zu...
Ein besonderer Saisonauftakt in Kassel. Zuerst Hans Werner Henzes und Edward Bonds Tanztheater «Orpheus», worauf sich das Publikum bemerkenswert einließ: Nur wenige Plätze blieben frei. Eine Woche später folgte «Fidelio». Das Henze-Experiment gelang. Es wurde ein bewegter und bewegender Abend vor den Augen und Ohren des gebrechlichen Komponisten. «Orpheus»...
Manchmal enden Irrfahrten glücklich, wie jetzt für Giuseppe Antonio Brescianellos Oper «La Tisbe», die nach 294 Jahren ihre posthume Uraufführung erlebte. Brescianello gehört zu den zahllosen Italienern, die im 18. Jahrhundert an deutschen Fürstenhöfen engagiert waren. Der wohl aus Bologna stammende Geiger trat 1716 in den Dienst des württembergischen Herzogs...
