Puccinis Prekariat
Den Künstlern des beginnenden 21. Jahrhunderts dürften die Sorgen von Puccinis Bohemiens nur allzu bekannt vorkommen. Mit einem Durchschnittseinkommen unter
15 000 Euro jährlich arbeiten die allermeisten der etwa 300 000 Kunstschaffenden in Deutschland in Sichtweite von Hartz IV. Auch wenn sie mittlerweile immerhin krankenversichert sind, kämen die meisten Rodolfos und Marcellos noch immer in Zahlungsschwierigkeiten bei der Zeche im Café Momus.
Man braucht sich also gar nicht groß zu verrenken, wenn man die «Bohème» aus dem Paris der Belle Epoque ins Deutschland des Jahres 2010 hinüberziehen will. Angesichts der flächendeckenden kommunalen Finanzmisere, deren Folgen auch die Kunst zu spüren bekommt, liegt die Versuchung nahe, dem Publikum anhand von Puccinis Hungerkünstlern den Zustand eines kaputtgesparten Theaters vorzuführen.
Es geht ums Überleben
In Ulm, wo der Magistrat gerade noch einmal die Sparschraube kräftig anzog, hat das Theater die ganze Saison der Thematisierung des eigenen Überlebenskampfes gewidmet: Das Generalmotto «Mehrwert», das bei allen Produktionen über dem Bühnenportal prangt, liest sich als verzweifelter Appell, Kunst nicht gegen Geld aufzuwiegen. Kein ...
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