Hosen runter

Berg: Wozzeck
Berlin | Deutsche Oper

Opernwelt - Logo

Die Rasur des Hauptmanns fällt aus. Er kauert auf einem ausgestopften Pferd, das gerade zum Sprung ansetzt. Von Wozzeck rasiert werden hier ein paar in Reih und Glied aufgestellte Gardisten, und zwar unterhalb der Gürtellinie: Einem nach dem anderen stutzt er das Haar am Gemächt. Hinten zieht ausgelassenes Volk vorbei, Fähnchen schwenkend, zum Frohsinn entschlossen. Die erste Szene spielt in einem leeren Saal mit hohen Fenstern. Der Bühnenbildner Erlend Birkeland hat ihn, wie Regisseur Ole Anders Tandberg im Programmheft verrät, einem beliebten Ausflugslokal in Oslo nachempfunden.

Später wird in diesem Raum auch der Doktor experimentieren, mit blutenden Präparaten in Petrischalen. Und dort spreizt sich auch der Tambourmajor für eine adrett zugeknöpfte Bürger-Marie.

Überhaupt sind wir nicht bei «arme Leut’» im neuen «Wozzeck» an der Deutschen Oper Berlin. Es geht eher gutbürgerlich zu, mitunter grell aufgeraut zwar und surreal verfremdet, aber doch wohlsituiert. Die 15 Szenen nach Büchners Dramenfragment schnurren bei Tandberg nämlich am norwegischen Nationalfeiertag ab. Weil da so viele alte Uniformen spazieren gehen, das Bier durch die Kehlen läuft und alle ein bisschen die Sau ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Lärmendes Schweigen

Am 28. Oktober 1918 wurde die unabhängige Tschechoslowakische Republik proklamiert – der diesjährige Herbst bringt deshalb in Prag so einige staatstragende Festivitäten mit sich. Zur Neuproduktion des «Fidelio» im klassizistischen Ständetheater erinnerte ein alter Theaterzettel im Programmheft daran, dass Beethovens Oper weiland in Anwesenheit des neuen...

Idolatrie und Verblendung

Richard Wagners Wirkung muss magisch-magnetisch gewesen sein, anders lässt sich nicht erklären, dass so viele Menschen sich für seine Interessen einspannen ließen. Die Geldgeber waren die einen, beinahe wichtiger waren für Wagner die Propagandisten seines Werks in Wort und Tat. Ein enormer Kreis, dessen Persönlichkeiten mal mehr, mal weniger bekannt sind. Über die...

Was kommt... Dezember 2018

Mark Padmore
Seine Vielseitigkeit ist Legende. Wer den britischen Tenor in der vergangenen Saison als Artist in residence bei den Berliner Philharmonikern erlebte, konnte sich davon überzeugen. Padmore beeindruckte sowohl als Oratoriensänger bei Haydn und Schumann als auch mit Interpretationen zeitgenössischer Liedzyklen. Vom Lied kommt er, zum Lied zieht es ihn...