Klarheit und Klamotte

«Moses und Aron» in München und Wien. Außerdem Hinweise auf neue CDs, DVDs und Bücher zu Schönbergs Opus magnum

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Arnold Schönbergs Opus mag­num über das jüdische Volk, komponiert 1930/31, bevor der Komponist – selbst Jude – vor den Nationalsozialisten floh und nach Amerika emigrierte, ist das seltene Beispiel einer philosophischen, streng zwölftönig kom­ponierten Oper, die gleichwohl unmittelbar packen kann. Vorausgesetzt, das Konzept trifft nicht nur den Kern des Stücks, die Auseinandersetzung zweier Prinzipien – Wort und Gedanke, Vermittlung und reine Lehre –, sondern es kann auch mit dem fast halbstündigen «Tanz ums goldene Kalb» umgehen.

Natürlich ist die szenische Vergegenwärtigung dieser auch musikalisch gestaffelten Orgie – Blutopfer, rituelle Tötungen und sexuelle Ausschweifungen eingeschlossen – ein schwieriges Unterfangen, aber doch gleichzeitig eine spannende Herausforderung an die Kreativität eines jeden Regisseurs.
Reto Nickler stilisiert in Wien – für den erkrankten Willy Decker eingesprungen – das Geschehen um die Anbetung des goldenen Kalbs in abstrakter  und zugleich eindeutiger Plas­tizität. «Verehrt euch selbst in diesem Sinnbild!», singt Aron, wenn in einem Raum, dessen drei Seiten mit unzähligen Porträts bedeckt sind, drei riesige goldene Buchstaben aus dem Unterboden ...

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Opernwelt August 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
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