Belcanto der Unterwelt
Die elsässische Opéra national du Rhin bemüht sich regelmäßig um Ur- und Erstaufführungen – und eröffnete die neue Spielzeit mit Régis Campo (Jahrgang 1968) und seiner Novität «Quai ouest». Als Koproduzent ist das Staatstheater Nürnberg mit im Boot. Dort ist Campo in dieser Spielzeit auch composer in residence. Der Nürnberger GMD Marcus Bosch steuerte bei der Straßburger Premiere denn auch das tüchtige Orchestre symphonique de Mulhouse hellhörig und mit großem Nachdruck durch die gediegen-postmoderne Partitur.
Den Titel entlehnen die pausenlosen anderthalb Stunden bei Bernard-Marie Koltès' Schauspielvorlage, die zwar eingedampft, ansonsten aber bis aufs letzte Komma befolgt wurde.
New York? Hudson River? Kann gut sein. Wir sind jedenfalls irgendwo am Wasser. Da, wo es am unappetitlichsten ist. Wie am Todesfluss der Antike. In einer riesigen, aufgegebenen Lagerhalle im Niemandsland. Ein steinreicher Finanzmensch – Koch heißt er, hat einen Jaguar, allerlei Luxus-Accessoires und Dreck am Stecken, was mit Veruntreuung – erscheint mit seiner Sekretärin, um sich an diesem Unort zu ertränken. Am Ende wird er auf Verlangen abgeknallt. Es ist der Bodensatz der Gesellschaft, auf den er ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Heinz W. Koch
Es ist geschafft. Die Festspiele in Pesaro haben alle 38 überlieferten Rossini-Opern vorgestellt – die 1813 für die Mailänder Scala komponierte Seria «Aureliano in Palmira» war die letzte (sieht man von dem Pasticcio «Eduardo e Cristina» ab). Die Wiederentdeckung dieses Œuvres für die Bühne ging nicht nur mit der Herkulesaufgabe einer historisch-kritischen Edition...
Gemessen am Mainstream und Verkaufsdruck des Klassikmarktes, klingt es geradezu paradiesisch: Palazzetto Bru Zane, das in Venedig ansässige, privat finanzierte Zentrum für französische Musik des 19. Jahrhunderts (siehe OW 1/2013), baut sein Programm und sein internationales Netzwerk weiter aus. Florence Alibert, die Generaldirektorin, und Alexandre Dratwicki, der...
Zwei prominente Urteile über Richard Strauss gibt es, die widersprüchlicher kaum sein könnten. Er sei «ein so fabelhaft unraffinierter Mensch», meinte sein Librettist Hugo von Hofmannsthal 1909 über ihn in einem Brief an Harry Graf Kessler, und habe «eine fürchterliche Tendenz zum Trivialen, Kitschigen in sich». Gut zwei Jahrzehnte später schrieb der nächste...
