Bars, Bordelle, Boxkampfhallen
Es gibt am Premierenabend keinen Aufstand im Royal Opera House. Selbst als während der vorletzten Vorstellung der «Mahagonny»-Inszenierung von John Fulljames ein Kabelbrand an Covent Garden die Lichter löscht und im Opernhaus das Catering lahmlegt, beschwert sich niemand: Die schöne Ironie, die darin liegt, dass es zu einer Show über Whiskey bloß Leitungswasser gibt, wissen Kenner durchaus zu würdigen. Um London nachhaltig zu schockieren, braucht es ohnehin mehr als deftige Schimpfwörter, wie sie in Jeremy Sams kluger (auch komischer, und trauriger) Übersetzung auftauchen.
Auch dass Anne Sofie von Otter – eine Flasche Schnaps zwischen den Beinen – so tut, als pinkele sie auf Kurt Streit herab, kräuselt kaum eine Stirn: Der despektierliche Umgang mit Jimmys Leiche passt schließlich zu Leokadja Begbick.
Bühnenbildner Es Devlin lässt Brechts und Weills monströses Mahagonny aus einem liegengebliebenen Schwertransporter entstehen. Als die Sex- und Lohnarbeiter eintreffen, stapeln sich die Frachtcontainer schon zwölf Stockwerke hoch, die Seitenwände abgeschält. Ein wahrer Kaninchenbau aus Bars, Bordellen, Boxkampfhallen. Mahagonnys Gesetze sind Ungesetze, wie jeder weiß, die Regeln nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Anna Picard
Gewiss muss die Tante tot sein, die man beerben will; doch vorher schon kann man sich sehr genau im Zimmer umsehen.» Als Ernst Bloch in «Erbschaft der Zeit», veröffentlicht 1935, das untergehende Bürgertum analysierte, plädierte er für eine genaue Prüfung der «Elemente» bürgerlicher Errungenschaften: Wer weiß, ob nicht Erbstücke darunter sind, die für eine künftige...
«Parsifal» war Wagners letzte Karte – mit dem Weltüberwindungswerk vom «reinen Toren» wollte er eine Kunstreligion stiften. Thilo Reinhardt unterzog das pseudosakrale «Bühnenweihfestspiel» in seiner Wuppertaler Inszenierung einer radikalen Gegenlektüre. Mit seinem Bühnenbildner Harald Thor verlegte er Wagners «heiligen Bezirk» im ersten Akt in die Sporthalle eines...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752278
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 13.04.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
