«Das ist auch eine Frage der Qualität»

Leipziger Turbulenzen II: Peter Konwitschny über Musiktheater als moralische Anstalt, herbeigeredete Konflikte und seine Pläne

Opernwelt - Logo

«Das ist auch eine Frage der Qualität»

Leipziger Turbulenzen II: Peter Konwitschny über Musiktheater als moralische Anstalt, herbeigeredete Konflikte und seine Pläne

Herr Konwitschny, Ihr Kollege Giancarlo del Monaco hat in Zusammenhang mit seiner Inszenierung von «Manon Lescaut», die kürzlich in Leipzig herauskam, gesagt, er mache «Oper für das Publikum». Was heißt das für Sie?
Zunächst einmal ist das eine demagogische Formulierung. Große Kunst schielt nicht nach dem Geschmack des Publikums.

Wir hätten wohl kein Bild von Picasso, wenn der beim Malen immer an potenzielle Käufer gedacht hätte. Es stimmt natürlich, dass Kunst oder die Auseinandersetzung mit Kunstwerken nicht in einem Elfenbeinturm entsteht. Das gilt erst recht für das Theater und die Oper. Eine Inszenierung ist kein Produkt wie ein Auto. Da kann man nicht fragen: Was will das Publikum? Man muss vielmehr die Frage stellen: Was fordert das Stück, was sagt uns die Musik heute? Für mich ist Oper eine gesellschaftskritische Instanz – das versuche ich in meinen Arbeiten herauszustellen.

Die Opernbühne als moralische Anstalt...
Ja, meine «Väter» sind nach wie vor Lessing, Schiller, Brecht, Heiner Müller. Es geht um die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Magazin, Seite 35
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Acht Countertenöre für den Papst

Stefano Landis «Il Sant’ Alessio» (Rom 1632/34), gesteht William Christie in einem Bonus-Interview des DVD-Mitschnitts aus Caen, sei seit seinem Studium eines seiner Lieblingswerke. Nicht nur die herb-chromatische Musik habe es ihm angetan, sondern vor allem auch die Qualität der Verse. Schon 1996 legte er eine gekürzte und mit Frauen in den hohen Stimmen besetzte...

«Hingabe ist wichtiger als technische Präzision»

Mrs Joshua, in Robert Carsens Produk­tion von Händels «Semele» haben Sie das berühmte «Oh sleep, why dost thou leave me» nackt gesungen. Hat Sie das Überwindung gekostet?
Einfach war das für mich nicht. Schließlich ging ich in dieser Szene völlig nackt zur Seitenbühne ab, wo immer eine Menge Leute standen und glotzten. Aber in der Situation war es einfach...

Mythos und Simulation

Die Nornen sind zwar, wie üblich, grau und grämlich, doch tragen sie Schleier und andeutungsweise orientalische Gewänder, auch sind ihrer mehr als nur drei. In  einem düsteren Keller voller altmodischer Röhrenbildschirme, auf denen Kolonnen von Buchstaben und Zahlen flimmern, operieren sie nicht mit einem Seil, sondern den Kabeln eines Computer-Servers. Am Ende...