Auf der Schwelle
Es war sicher nicht nur Bewunderung, die Richard Wagner für Gaspare Spontini hegte. Man spürt auch leise Ironie, wenn der Sachse in seinen Erinnerungen «Mein Leben» von den Begegnungen mit dem fast vier Jahrzehnte älteren Star des Opernbetriebs aus Italien spricht – der Erfolg der anderen war ihm nicht selten suspekt.
Dem Erfolg jedoch sollte keine Nachhaltigkeit beschieden sein.
Wen, außer Musikwissenschaftler, interessiert es heute noch, ob Spontini in seinem erfolgreichsten Werk «La Vestale» – die Uraufführung 1807 im napoleonischen Paris wurde zum Triumph – den Vorhalt der Sexte erstmals in die Oper eingebracht hat? Eines zumindest zeigt die Neuproduktion am Badischen Staatstheater Karlsruhe ganz deutlich: «Die Vestalin» befindet sich auf der Schwelle zwischen Gluck, der Revolutionsoper und der Romantik. Vieles glaubt man wiederzuerkennen, irgendwie. Den etwas älteren «Fidelio» zum Beispiel, die Arie «Noble héros» der Titelheldin Julia klingt sehr nach Beethoven. Das Spannendste an der Musik aber ist ihre Dramaturgie, die schon vieles vorwegnimmt, was man später – freilich vollendeter – bei Wagner, Berlioz oder Verdi hört.
Johannes Willig sucht solche Perspektiven mit großer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Alexander Dick
«Das Liebesverbot»
Es ist ein altes Wortspiel, das auch Patrice Chéreau gern benutzt. Doch nun verbindet sich damit plötzlich Realität. Sowohl in Bayreuth wie in Beirut wird in diesem Jahr Wagners Frühwerk «Das Liebesverbot» gespielt. Ein Besuch beim Al Bustan Festival im Libanon
Lyon
Das französische Opernhaus hat unter der Leitung von Serge Dorny immer wieder durch...
Frau Bumbry, Ihr Bühnenabschied liegt über 15 Jahre zurück. Warum haben Sie jetzt wieder angefangen?
Mein Abschied 1997 war ein Fehler. Ein überstürzter Entschluss. Ich wollte aufhören, weil ich gemerkt habe, dass fast alle meine Kollegen von damals tot waren oder sich zurückgezogen hatten. Ich hatte keine Freude mehr. Und ich hatte auch keine Lust, mit Leuten zu...
«Learning from Las Vegas» heißt das Buch, mit dem der amerikanische Architekt Robert Venturi 1972 den Wertekanon der klassischen Moderne angriff. Schon der Titel war eine Provokation. Er verhieß eine Feier der bunten Oberfläche, des fluoreszierenden Ornaments, der neonflammenden Fassade. Er richtete sich vor allem gegen die Bauhaus-Kultur, die (von deutschen...
