Unfassbar
Vor dem Sommer sind wir noch gemeinsam in die Vorproben der Neuproduktion «Fidelio» eingestiegen. Das Ensemble saß um Berts Bühnenbildmodell geschart. Einer von uns erklärte, es werde nicht darum gehen, ein spezifisches politisches System abzubilden, sondern zu untersuchen, wie sich ein auf Überwachung gestütztes System, wie wir es aus Diktaturen kennen, in die Sprache und Körper der in ihm lebenden Menschen einschreibt.
Bert unterbrach mit der lakonischen Bemerkung: «Nicht nur in Diktaturen!» Ein Gedanke, der ihn sehr beschäftigte, war, dass in Beethovens Oper die solistischen Protagonisten, die Gefangenenwärter, viel gefangener sind als die eigentlichen Häftlinge, welche nämlich − anders als sie − in der Lage sind, ihre Unfreiheit zu durchschauen und zu benennen. In den folgenden beiden ersten Probenwochen offenbarte sich uns einmal mehr Berts Kunst, einen komplexen Weltzusammenhang auf den einfachsten, schlagendsten bildnerischen Nenner zu bringen. In seinem «Fidelio»-Raum geht eine archaisch anmutende Provinzialität mit einem Science Fiction-Szenario digitaler Überwachung eine beunruhigende Verbindung ein.
Was hat ihn, der die Bühnen-, Zuschauer- und Bildräume des Schauspiels ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 102
von Sergio Morabito, Jossi Wieler
Sicher, Pesaro geht in Sachen Rossini weiter mit Riesenschritten voran. Aber «Rossini in Wildbad», das kleine Gegenstück im Nordschwarzwald, belegt ebenso unangefochten einen ehrenvollen zweiten Platz. Und als Raritätenschürfer betätigen sich beide Festivals. «L’inganno felice» («Der glückliche Betrug»; Venedig, 1812 – der Komponist war noch keine 20) stand 2005...
Abschied
Er war zunächst Autolackierer und besaß einen eigenen Betrieb in seiner Heimatstadt Graz, bevor er sich 1960 zu einem Gesangsstudium entschloss und bereits vier Jahre später als Graf Almaviva in Rossinis «Barbier von Sevilla» debütierte. Von 1967 bis 1969 war Josef Hopferwieser am Opernhaus Essen engagiert, dann von 1969 bis 1973 festes Ensemblemitglied der...
Wie ein Meeresarm liegt er da, der Sankt-Lorenz-Strom, mehr als ein Kilometer sind es von Ufer zu Ufer. Ein erhabener Anblick. Und ein Gegenbild zu den monotonen Wald- und Agrarlandschaften, die der Highway von Montréal durchmisst. Erst auf dem Pont Pierre-Laporte wird uns so richtig bewusst, dass Québec am großen Wasser liegt: schon vor den Toren der Stadt ein...
