Dienerinnen und Königinnen
Fast nicht zu glauben: Zwei Jahrhundert-Sängerinnen feiern in diesem Frühjahr ihren 100. Geburtstag. Die Sopranistin Magda Olivero ging am 25. März voran, die Mezzosopranistin Giulietta Simionato wird am 12. Mai folgen. Zwei lebende Legenden, deren Bühnenwege sich nur selten gekreuzt haben, die sich aber in ihrem Perfektionsdrang und in ihrem künstlerischen Credo sehr ähnlich waren: «Io son l’umile ancella del genio creator» (Ich bin nur die demütige Magd des schöpferischen Genius).
Mit diesen Worten beginnt die Auftrittsarie der Adriana Lecouvreur in Francesco Cileas gleichnamiger Oper, in der die beiden Primadonnen am 28. November 1959 im Teatro San Carlo in Neapel zusammentrafen – eine Sternstunde. Der Mitschnitt der Aufführung fehlt in keiner Sammlung eines passionierten Liebhabers der italienischen Oper. Ähnlich waren sich die beiden großen Sängerinnen, die man mit Recht als «Bühnentiere» bezeichnen kann, auch in der Ablehnung des Theaterbetriebs. «Ein Milieu, das mir immer zuwider war» habe sie lange vom Theater entfernt, bekannte Magda Olivero in einem Interview, und Giulietta Simionato ging noch einen Schritt weiter, als sie in der Dokumentation «Opera Fanatic» erklärte, ...
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«Questo è il fin di qui fà mal», so ende, wer Böses tue, singen die sechs Übriggebliebenen am Schluss von Mozarts «Don Giovanni» (Prager Version). Im Publikum der Uraufführung im Nationaltheater zu Prag am 29. Oktober 1787 saß einer, der das vermeintlich Üble solchen Tuns kaum nachvollziehen konnte: Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seingalt, zu dieser Zeit...
Eine «Männergesellschaft», die sich auszeichnet durch den hohen Anspruch an Gemeinschaft, an Wissen, Wahrheit, Erkennen und Sicherheit, die aber, dogmatisch erstarrt, Körperlichkeit und Sinnlichkeit (repräsentiert im «Weiblichen») ausschließt und sich damit an den Rand des Untergangs bringt: Die Beschreibung der «Parsifal»-Problematik, wie sie Regisseur Frank...
Die Hürde jeder «Tannhäuser»-Aufführung steht am Anfang. Für den Venusberg hat Wagner zunächst eine brave Version geschrieben, die sich ganz an den Dialog hält: Der sinnessatte Minnesänger versucht zu Rezitativischem und einem erweiterten Weber-Orchester von der Göttin der Liebe loszukommen. Später, für Paris, komponierte Wagner an dieser Stelle viel Musik dazu,...
