Besondere Kennzeichen: keine
Gewartet hat niemand auf diesen neuen «Tristan». Der Katalog ist voll von erstrangigen Live- und Studio-Aufnahmen aus früheren Tagen, aber auch das aktuelle Angebot (Thielemann bei DG, Pappano bei EMI, Segerstam bei Naxos) dürfte den Bedarf bis auf Weiteres gedeckt haben. Der auf drei Abende verteilten konzertanten Aufführung aus London, die Warner nun drei Jahre später als CD präsentiert, fehlt der Stempel des Unverwechselbaren. Sie bietet vokal wie orchestral lediglich guten Durchschnitt.
Das betrifft leider auch die beiden Protagonisten.
John Treleaven ist auf der heutigen Szene einer der profiliertesten Darsteller des Tristan, aber ohne seine Bühnenpräsenz, auf den schieren Klang seiner Stimme reduziert, kann er diesen Status nicht behaupten. Christine Brewer, ein Zwischenfachsopran von eher dunkler Farbe, gerät bei den hochdramatischen Passagen leicht ins Flackern. Ihre Diktion ist dazu ziemlich mulmig, so dass viele Details verloren gehen. Im Liebesduett bleiben beide Sänger deutlich hinter dem Standard zurück, den heuer in Bayreuth Robert Dean Smith und Nina Stemme gesetzt haben. Peter Rose ist ein sprachlich sehr prägnanter, ausdrucksstarker König Marke ohne die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für die letzte Saison, die er als Künstlerischer Leiter des Edinburgh Festivals verantwortete, hatte Sir Brian McMaster bei einem jungen schottischen Komponisten mit rapide wachsendem Ruf ein neues Stück in Auftrag gegeben und das Royal Opera House in London als Partner gewonnen. Stuart MacRae, 1976 in Inverness geboren, wurde mit einigen Instrumentalwerken...
Er ist schon zu Lebzeiten eine Legende: der Schweizer Tenor Ernst Haefliger, berühmt als Evangelist besonders der Bach-Aufführungen von Karl Richter, aber auch als Mozart-Sänger und Liedgestalter, als Anwalt der Moderne, Protagonist zahlreicher Uraufführungen und nicht zuletzt als Pädagoge. Dem inzwischen siebenundachtzigjährigen Künstler wurde jetzt der erste...
Über Mechanismen des Kapitalismus wissen Zuschauer und Mitspielende der Berliner Neuinszenierung von Anfang an Bescheid – womit soll ein Lehrstück namens «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny», das seine Pointe bereits im Titel trägt, auch überraschen? Die Protagonisten erschaffen Mahagonny und zerstören sich selbst in schöner Folge – mit Hilfe von Brechts...
