Kontrollierte Emotion
Johannisnacht – mit dem nervösen Herzschlag der Pauken und unortbarem Summen zeichnet Philippe Boesmans in seiner Kammeroper «Julie» die subtile Spannung dieser Nacht der Lizenzen und der Triebe. Es darf geträumt werden, und Boesmans gönnt der Köchin Christine unterm Holderbaum ein melodisch fortziehendes Sehnsuchtsmotiv, das noch wiederholt durch die Instrumente des solistisch besetzten Kammerorchesters wandern wird.
Denn noch andere träumen in dieser Nacht. Fräulein Julie zieht es die Küchentreppe abwärts ans höllische Herdfeuer.
Hier sucht sie den ihrem Begehren entsprechenden Widerpart, der stark genug wäre, mit ihr zu fliehen. Doch ihre Blütenträume eines Lebens außerhalb der Standesgesellschaft werden jäh zerstört. Diener Jean bleibt auch nach dem Sex ein kühler Rechner. Für seinen Traum vom eigenen Hotel bräuchte es mehr Geld, als Julie aufbringen kann.
Boesmans Opernfassung des Strindberg-Stücks legt besonders auf die psychologischen Hintergründe wert. Nach unten glissierende Bewegungen der Streicher, nervöse Zupfer und Bläsertupfer auswärts des zuweilen anklingenden Melos zeugen von Beunruhigung. Hier ist nicht nur das Standesgefüge im Rutschen, hier befindet sich auch ...
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