Gesundgeschrumpft?
Die Caracalla-Thermen in Rom haben schon einiges erlebt. Ihr Erbauer Kaiser Caracalla – er regierte im dritten Jahrhundert und hieß eigentlich Lucius Septimius Bassianus – ging als Terrorregent in die Geschichte ein. Im sechsten Jahrhundert zerstörten die Goten die Wasserzufuhr und machten dem Badebetrieb ein Ende. Renaissance-Päpste brachen die Marmorverkleidung zugunsten ihrer Familienpaläste und des Petersdoms ab. Was am Ende blieb, war jenes gigantische Ruinengebilde, das bis heute eine der größten Attraktionen Roms ist.
Seit 1937 dient das Gelände als Sommerspielstätte der römischen Oper. Gegeben werden in erster Linie die Klassiker des italienischen Repertoires: Das bunt gemischte Publikum erwartet vor allem eine gute Musik-Show bei Mondschein. Ein Jahr ist es her, da fieberten Römer wie Touristen einer neuen «Bohème» des italienischen Regisseurs Davide Livermore entgegen, inzwischen Künstlerischer Leiter des Palau de Les Arts in Valencia. Im Orchestergraben: ein Flügel. Das Orchester streikte. Wie so oft unter dem Ende 2013 angetretenen Intendanten Carlo Fuortes. Wie so oft, seit ein neues Gesetz (legge Bray) die Vergabe von Subventionen und günstigen Krediten an eine ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 96
von Sabine Radermacher
Franz Schrekers 1912 uraufgeführte Oper «Der ferne Klang», in der der Komponist Fritz auf der Suche nach dem «rätselhaft weltfernen Klang» seine Geliebte Grete verlässt, das Leben versäumt und die Liebe verspielt, ist ein Schlüsselwerk des Fin de Siècle. Schreker hat in das selbstgedichtete Libretto alles gepackt, was im Wien der Jahrhundertwende aktuell war – den...
Alles fließt, alles strömt dahin. Die Geschichte, die Bilder, die Inszenierung. Tom Cairns hat nach rund einem Vierteljahrhundert im vergangenen Sommer die erste neue «Traviata» für das Glyndebourne Festival inszeniert (siehe OW 9/2014). Doch leider fehlt der Produktion jeder Fokus: auf Gesellschaftskritik, auf die Welt des Geldes und Scheins, auf die privaten...
Von der Londoner Wigmore Hall zum Burlington House braucht es kaum eine halbe Stunde gemütlichen Spaziergangs. Alljährlich beherbergt Letzteres die Sommerausstellung der Royal Academy of Arts, und das seit 247 Jahren. Die Show ist einzigartig in ihrer Mixtur aus Werken professioneller und dilettierender Künstler (12 000 Bewerbungen hat die in diesem Jahr von...
