Hinhören, bitte!
Im Hauptberuf ist Berthold Seliger Konzertagent. Seit drei Jahrzehnten. Sein Geld verdient er mit Künstlern wie Lou Reed, Patti Smith oder Rufus Wainwright. Nebenbei meldet sich Seliger gern und häufig als scharfzüngiger Kulturkritiker zu Wort, der in Aufsätzen und Büchern gegen die Monopolisierung des Musikgeschäfts oder das «gebührenfinanzierte Staatsfernsehen» zu Felde zieht. Immer pocht dabei ein denkendes Herz, das an die befreiende Kraft der Künste glaubt. So auch in seiner jüngsten Streitschrift über die Misere der «klassischen» Musik.
Für die Gegenwart sieht Seliger schwarz: Überalterung des Publikums, Verarmung des Repertoires, millionenschwere Prestigeprojekte für die Eliten (Stichwort «Elbphilharmonie»), der Verfall musikalischer Bildung – das sind die Themen, die er auf knapp 500 Seiten verhandelt. Das Ziel dieser mit Zitaten von Plato, Hegel, Schiller, Hölderlin, Adorno und anderer Geistesgrößen gespickten Tour d’Horizon: die Wiedergewinnung selbstbestimmten Hörens. Eines Hörens, das sich der Anstrengungen bewusst ist, die komplexe, «ernste» Werke einfordern. Wahre Kunst, daran lässt Seliger keinen Zweifel, ist nicht leicht zu konsumieren, sie macht Mühe, Arbeit. Ihr ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Albrecht Thiemann
Vom «Ende einer Ära» ist mehr oder weniger reflexhaft die Rede beim Tod einer epochalen Figur. Doch im Fall nicht weniger Musiker aus der Sowjetunion hat die Formel ihren Sinn. Brachte doch die Oktoberrevolution tatsächlich einen enormen Aufbruch in vielerlei Hinsicht; man denke nur an den Stummfilm, vor allem Eisensteins. Und in der Musik fand eine immer wieder...
Dass Na’amer Zissers «Mamzer Bastard» in Hackneys Empire gegeben wird, ist kein Zufall: In diesem Ostlondoner Bezirk lebt die größte chassidische Gemeinschaft Europas. Die israelische Komponistin – Stipendiatin der Londoner Royal Opera und Guildhall School of Music – verquickt traditionelle chassidische Melodien mit dem eigenen Idiom. Auch das Libretto ihrer...
Über Aktualität und Relevanz der Oper wird seit ihren Anfängen gestritten. Und die Rhetorik der Unmöglichkeit, ja vom Tod der Gattung bildet von jeher die Begleitmusik. Besonders an ihrer Inszenierung, am zeitgebunden wechselnden Zusammenspiel von Klang, Körper, Kostüm, Licht und Raum entzünden sich immer wieder heftige Debatten. Doch was heißt es eigentlich, die...
