Weltabschiede

Martina Franca präsentiert zwei hinreißende Trouvaillen: Glucks «Orfeo», bearbeitet von Johann Christian Bach und Josef Myslivecek, sowie Antonio Cagnonis «König Lear»

Opernwelt - Logo

Man fährt nicht der schönen Stimmen wegen nach Martina Franca. Die Gemeinde neugieriger Melomanen, die sich seit 1975 regelmäßig in der apulischen Barockstadt trifft, treibt Entdeckerlust. Viele lange nicht gespielte Stücke aus ­Barock, Romantik und Verismo oder bekannte Titel in ungewöhnlichen Fassungen lernt man nur hier kennen. Die Regie arrangiert meist geschmackvoll kostümierte Figuren zu gefälligen Tableaux im Innenhof des Herzogspalasts. Das um einen festen Stamm gruppierte «Internationale Orchester von Italien» bietet gute Mittelklasse.

Der hoch konzentrierte Slowakische Chor Bratislava dagegen überbot sich diesmal mit souveräner Präzision und weichem, voluminösem Klang selbst.
Mit Glucks «Orfeo ed Euridice» fiel ihm aber auch eine inspirierende Aufgabe zu. Natürlich spielt das Festival della Valle d’Itria nicht die 80-minütige Wiener Fassung, sondern das mehr als doppelt so lange Pasticcio für Neapel, 1774. Bereits die Londoner Erstaufführung 1770 hatte Calzabigis experimentelles Libretto durch Hofszenen in der Ober- (bei Orpheus’ Vater) und Unterwelt (Pluto) sowie neue Arien auf abendfüllende Länge gebracht. Johann Christian Bach, der jüngste Sohn des Thomaskantors, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Festspiele, Seite 32
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schmerzensmann

Mit seiner 126. Bühnenrolle gab Plácido Domingo im März 2008 an Madrids Teatro Real ein überraschendes Debüt. Der Bajazet im «Tamerlano», den Domingo anschließend auch in London und Washington präsentierte, war die erste Händel-Rolle des damals 67-Jährigen überhaupt – ein mutiger Schritt für einen Sänger, der bis dahin selbst Mozart nur ausnahmsweise («Idomeneo»)...

Wenn Bilder erzählen

Bevor der erste Ton des «Rheingold»-Vorspiels aus dem Orchestergraben heraufbrummt, gehört die Bühne des Weimarer Nationaltheaters den Kindern. Drei Mädchen in adrett karierten Sonntagskleidern haben Regisseur Michael Schulz und sein Dramaturg Wolfgang Willaschek den Beginn der Tetralogie anvertraut. Mit giftgrünen Drachen-Handpuppen erzählen sie sich die...

Mit Dante gegen die Mafia

Gemäuer, Weinlaub, schiefe Treppen, hinten leuchtet die Toscana. «Kinder, mit Schrotgewehren erschossen, von Baggern überrollt, von Dynamit zerfetzt…» Es ist schön hier, es gibt keinen schöneren Ort als Montepulciano. Die Mafia ist fern, möchte man glauben, aber nun steht da Luciano Violante und rezitiert zu den Tönen eines kleinen Ensembles. Seine Bodyguards haben...