Surreale Welt
Am Anfang stand ein Film, Fatih Akins preisgekröntes Leinwanddrama «Gegen die Wand» mit einem Stoff von heute, wie er in den Türkenvierteln deutscher Städte zum Alltag gehört. Sibel geht eine Scheinehe mit dem lebensmüden Cahit ein, um endlich aus dem Gefängnis des Elternhauses ausbrechen und sich ins Großstadtleben mit all seinen Verlockungen und Auswüchsen stürzen zu können. Aber auch draußen knallen die beiden Außenseiter überall gegen Wände.
Cahit, der sich – wider Willen – doch noch in Sibel verliebt, bringt einen ihrer Liebhaber um und landet im Gefängnis.
Sibel führt mit Freund und Kind ein neues Leben in Istanbul, Cahit folgt ihr und findet sie. Und doch hat ihre Liebe keine Zukunft.
Ludger Vollmer hat das Kunststück fertiggebracht, die Filmvorlage zu einer Oper einzudampfen, die mit wenig (mal deutschem, mal türkischem) Text auskommt und der Musik viel Raum lässt – eine fetzige Mixtur aus E und U, aus europäischen und türkischen Klängen, Jazz- und Discosound, in die sich Gott sei Dank nur selten gewöhnliche Operngesten verirren. Im klein besetzten Orchester lassen neben den dröhnend-harten Schlagzeugsoli vor allem orientalische Zupfinstrumente wie Quãnun und Sãz oder die ...
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Die größte Überraschung, die der Ausstellungsraum von Aldeburghs «Red House» derzeit zu bieten hat, dürfte ein kleiner vergilbter Zeitungsartikel sein. Er stammt vom Juni 1943 und berichtet von einer Aufführung des «Rigoletto» an Londons Sadler’s Wells Opera mit einem jungen Sänger namens Peter Pears in der Rolle des Herzogs von Mantua. Der damals 33-Jährige sollte...
Nur zwei Zitate im Programmheft braucht es, um Susanne Øglænds «Eugen Onegin»-Inszenierung in Weimar zu verstehen: Das erste ist das Wort Oscar Wildes, nach dem «das Leben die Kunst weit mehr nachahmt als die Kunst das Leben». Ergänzend dazu Woody Allens «Das Leben imitiert nicht die Kunst, sondern schlechtes Fernsehen». Womit nicht gesagt sein soll, dass sich die...
C-Dur gilt als die Neutrale zwischen den Tonartenkreisen, als jene Skala, die keine bestimmte emotionelle Haltung einnimmt, sondern eher äußerlichen Glanz verkündet. Bei Mozart wirkt sie oft auch wie die Decke, die beschönigend über häusliche Unordnung geworfen wird, wenn Besuch kommt. Etwa im Finale von «Così fan tutte», da die verstörten Paare sich mühen, den...
