Oper als soziale Therapie
Als das Taxi sich dem Hotel nähert, werden wir von Polizisten gestoppt. No cars. Das Viertel um den architektonisch einzigartigen, weil von Häusern im Bauhaus-Stil eingekreisten Dizengoff Circle (Tel Aviv gilt als Welthauptstadt dieser architektonischen Schule) ist abgesperrt. Zum Glück nicht aus jenen Gründen, die bei CNN als «Breaking News» vermeldet worden wären. Vielmehr läuft ein Straßenfest. Die dabei lautstark zelebrierte Musik, Muzak eher, hat keine Couleur locale. Rockpop dieser Art kann man auch in New York, Tokio, London, Berlin hören.
Es handelt sich um jenen kommerziell kreierten integrativen Globalisierungseffekt, der irrigerweise als «Multikultur» definiert wird, aber letztlich doch bloß bedeutet, dass man überall seinen Bigmac bekommt.
Auf einer völlig anderen Ebene passiert die multikulturelle Integration, um die Israel sich bemüht und die auch Thema der im Mai an der Israeli Opera Tel Aviv uraufgeführten Oper «A Journey to the End of the Millennium» ist: die Suche nach einer gemeinsamen Basis, die kulturelle Unterschiede bei gegenseitigem Respekt zu binden – nicht zu nivellieren! – und Vorurteile abzubauen vermag. Eine unermessliche Anstrengung, scheint es. ...
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Die Zeiten sind vorüber, in denen Asiens große Festivals reine Import-Betriebe für Klassik aus dem Westen waren. In Singapur ist diese Tendenz derzeit besonders deutlich zu besichtigen. Stolz ausgestattete Museen feiern die eigene Geschichte, multimedial aufgedonnerte Ausstellungen begeben sich auf die Suche nach der eigenen Identität, und auch das Singapore Arts...
Dass Friedrich Nietzsche früh und folgenschwer vor «Carmen» in die Knie ging, hatte wenig mit Argumenten und viel mit persönlicher Befindlichkeit zu tun. Nietzsche brauchte «Carmen», um sich wirkungsvoll von Wagner abstoßen zu können. Wenn er sie nicht gefunden hätte, hätte er sie erfinden müssen. Deshalb ist an seinem «Carmen»-Bild viel Wahres, aber es hängt...
Harry Kupfer begann seine Karriere in Halle, Stralsund, Chemnitz und Weimar. 1971 debütierte er an der Berliner Staatsoper, wo seine Inszenierungen von «Otello», «Die Frau ohne Schatten», «Parsifal» und «Salome» für ihre genaue Personenregie und psychologische Tiefenschärfe gepriesen wurden. 1972 wurde er an die Staatsoper Dresden berufen. Innerhalb weniger...
