Das Leben führt Regie
Es nahm sich aus wie ein besonders pointierter Regieeinfall und war doch nur dem Leben und seiner manchmal bitteren Realität geschuldet: eine Emilia Marty im Rollstuhl. Die alternde, mehr als 300-jährige Sängerin auf der Jagd nach dem Rezept für die ewige Jugend, gezeichnet als morbide, vom Verfall bedrohte Frau. Aber des Rätsels prosaische Lösung zeigt andere Hintergründe auf, die Michael Börgerding, Bremens neuer Intendant, dem Publikum vor Beginn der Vorstellung aufdeckt: ein zwei Wochen zuvor erfolgter Sturz der Sängerin, bei dem sie sich zwei heftige Frakturen zugezogen hatte.
Trotzdem wollte und sollte sie singen.
Was der Idee als solcher natürlich nichts nimmt. Sie passte punktgenau in eine Inszenierung, in der sich die junge Regisseurin Anna-Sophie Mahler ganz von der Feinarbeit leiten ließ, die das Stück in Komposition und Text vorlegt, und daraus ein ausgefeiltes psychologisches Kammerspiel entwickelte. Katrin Connan und Sophie Krayer lieferten den eindrucksvollen optischen Rahmen: hohe, kafkaesk anmutende, bis auf wenige Requisiten leere Bühnenäume, die sich durch den Einsatz der Maschinerie häufig verwandelten und damit bruchlose Übergänge innerhalb des pausenlos ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhart Asche
Puccinis Verleger Giulio Ricordi bezeichnete Pinkerton als «un mezzo lavativo americano»: ein Brechmittel. Dieses Charakterbild mag dazu beigetragen haben, dass Puccini nach der Mailänder Uraufführung «eine hasstrunkene Orgie des Wahnsinns» erlebte. Für die zweite Fassung der Oper tilgte er die verletzenden Bemerkungen Pinkertons über Japan und verwandelte ihn in...
Die rechte Hand lässig angewinkelt, das linke Bein leicht vorgestellt, blickt er optimistisch vor sich hin, als wüsste seine Musik für alles eine Lösung: Christoph Willibald Ritter von Gluck, Förstersohn aus der Oberpfalz, der zuerst in Wien, dann in Paris zum Weltbürger wurde. In Wien hat man ihm ein Denkmal errichtet, unweit der Karlskirche. Ganz in der Nähe, in...
Herr Sawallisch, Ihr Bühnenabschied liegt sieben Jahre zurück. Wie geht es Ihnen?
Ich freue mich, dass ich zu Hause in aller Ruhe meinen Lebensabend verbringen kann. Manchmal sind Besuche von der Bayerischen Staatsoper eine herzerfrischende Unterbrechung. Ich hatte in München die Möglichkeit, mit Strauss und Wagner und Mozart der Oper eine Richtung zu geben, von der...
