Hübsch historisierend

Mozart: Die Entführung aus dem Serail Glyndebourne / Festival

Opernwelt - Logo

Es kommt nicht oft vor, dass ein Regisseur in Glyndebourne zwei Produktionen gleichzeitig laufen hat. Noch dazu Opern mit Sprechtexten: Für das Singspielformat hat sich das englische Publikum nie recht erwärmen können, schon gar nicht im Original. Bei der «Entführung aus dem Serail» trauen sich die meisten ja nicht mal, den deutschen Titel zu benutzen – zu riskant, die Aussprache! Aber David McVicar ist hier etwas so Ansehnliches, Kluges gelungen, dass er auch jene überzeugt haben dürfte, die eigentlich bloß da waren, weil’s für seine «Carmen» keine Karten mehr gab.

 

Das Osmanische Reich zeigt der Regisseur uns nicht als die nervenaufreibende Chaosgesellschaft, über die Elizabeth Craven (die spätere Markgräfin von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth) sieben Jahre nach der Uraufführung von Mozarts ostwestlicher Rettungsfantasie in ihren Memoiren herzog. Sondern in einer freundlichen Version à la Mary Wortley Montagu, die das Land im frühen 18. Jahrhundert beschrieb: Auf Vicki Mortimers historisierender Bühne flirten Elemente aus Orient und Okzident ganz harmonisch miteinander; im Hintergrund glitzerndes Wasser, ziselierte Bogengänge, liebevoll gepflegte Gärten: Balsam für die Augen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Picard

Weitere Beiträge
Ganz ohne Trost

«Liebe kann göttlich sein. Aber kein Gott kann den Menschen die Liebe bringen.» Der Agnostiker und Regisseur Hans Neuenfels spricht über sein Religionsdefizit im Magazin der Berliner der Staatsoper. Und seine Ariadne bleibt auf der Insel Naxos ungetröstet allein mit sich und der flitterhaften Zerbinetta-Truppe, ratlos und gottlos im Wahn, einsam bis zum in dieser...

Wahn und Wirkung

Lange war Houston Stewart Chamberlain (1855-1927) für die Forschung persona non grata. Man wollte mit dem Rassentheoretiker, der es im Wilhelminischen Reich zum Bestsellerautor brachte, die Ideologie des Wahnfried-Kreises um Cosima Wagner fermentierte und der schließlich von den Nazis zum «Seher von Bayreuth» überhöht wurde, nichts zu tun haben. Die einzige...

Durchs Leid mit Freud

Um das Essener Aalto-Theater war es ruhig geworden in letzter Zeit. Seit Hein Mulders nach der langen und glanzvollen Ära von Stefan Soltesz mit der Spielzeit 2013/14 die Intendanz des Hauses (und die der benachbarten Philharmonie) übernahm, gab es überwiegend risikoarme Koproduktionen zu sehen, und das wenige Hausgemachte wollte sich nicht recht zu einem neuen...