Ein bisschen Don Giovanni bleiben

Vor allem als Verdi-Sänger hat es Dalibor Jenis an die großen Häuser ganz Europas geschafft. Mit Jürgen Otten sprach der Bariton über das (notwendig) Animalische im Menschen, sein Verhältnis zu Regisseuren und sein Verständnis von «italianità».

Opernwelt - Logo

Herr Jenis,  die Partie des Renato in Verdis «Un ballo in maschera» zählt zu den wichtigen Rollenporträts Ihres Fachs. Da liegt es auf der Hand, Sie mit anderen Baritonen zu vergleichen. Wollen wir?
Nein, wir wollen nicht. Vergleiche nützen nichts.

Das heißt, Sie vergleichen sich selbst nicht mit anderen herausragenden Stimmen, nach dem Motto: Denen komme ich wo­möglich nahe?
Zugegeben, ich habe ein paar Idole, wenn es um Stil und Phrasierung, um Musikalität geht, die Art des Ausdrucks.

Aber grundsätzlich ist meine Farbe meine Farbe und nicht die Kopie einer anderen. Ich will niemals jemanden imitieren. Das wäre gefährlich. Es ist für mich entschieden besser, so zu singen, wie ich empfinde, dass es richtig ist.

Wie würden Sie selbst Ihre Stimme beschreiben?
Schwer zu sagen. Ich habe lediglich ein Gefühl, wie ich klinge, mehr nicht. Und wenn ich meine Aufnahmen anhöre, bin ich zuweilen überrascht, auch positiv. Das geschieht häufig dann, wenn ich während der Vorstellung ein schlechtes Gefühl hatte. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Grundsätzlich würde ich mich als lyrischen Bariton mit einer Tendenz und Neigung zu Verdi beschreiben.

Mit dramatischem Anteil?
Ja. Viele Jahre lang habe ich – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Interview, Seite 36
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kopflastig

Über seine Musik verliert Cristóbal Halffter in einem im Programmheft abgedruckten Interview zur Urauffüh­rung seiner nach dem «Don Quijote» zweiten Oper kein Wort. Stattdessen lässt sich der Nestor der spanischen Komponistenszene über theologische und philosophische Hintergründe des Werkes aus, spricht über Platons Höhlengleichnis und über die Apokryphen, über...

Liebespaare

Der wahrscheinlich kühnste unter den zahlreichen Versuchen, das «Zaïde»-Fragment zu komplettieren: Die ­israelische Komponistin Chaya Czernowin hat sich vor zwei Jahren im Auftrag der Salzburger Festspiele daran gewagt, Mozarts Musik mit ihren eigenen Klängen zu konfrontieren. Ein interessantes Unternehmen, das in der Kontrastierung durchaus erhellend für beide...

Allmacht und Ohnmacht

Wäre ich allmächtig», sagt die Titel­figur in «Jakob Lenz», Wolfgang Rihms frühem Geniestreich, «ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten!» Er spricht uns aus der Seele, der arme Dichternarr. Wären wir allmächtig, wir würden die vielen tausend Toten in China nicht zulassen, auch nicht die Ungerechtigkeit der Welt, die Raffgier, die Aggression,...