Aus der Flüstertüte
Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet.
Eben diese Einstellung gab die Überschrift für das Opus novum, das jetzt in einer Koproduktion von schauspielhannover, der Staatsoper Stuttgart und den Opernfestspielen München realisiert und in der niedersächsischen Landeshauptstadt uraufgeführt wurde.
Zugrunde liegt ein Streichquartett. Häusermann, der auch Regie führte, hat es im Auftrag der Bayerischen Staatsoper komponiert. Es ist ein, man wundert sich kaum, leises, eindrückliches Stück, welches vor allem das Hören selbst thematisiert, weil nur das konzentrierte Hören die Nuancen erfahren kann. Man vernimmt ausziselierte Linien, hier und da ein Fragment von Clus-ter, flirrende, fragile Gespinste aus Tönen, verhuscht irgendwie, flüchtig, fliehend. Und ebenso ist die Welt, die auf der Bühne von Philipp Nicolai und Ruedi Häusermann dargestellt wird. Nichts Massiertes, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schwester Helen ist eine besondere Nonne. Im Duett mit dem Todeskandidaten Joseph trällert sie Songs von Elvis Presley, deutet an, dass sie das Zeug zum Partygirl hätte. Es ist jene Szene im zweiten Akt von Jake Heggies «Dead Man Walking», die uns die Vielseitigkeit der sozial engagierten Katholikin aus New Orleans zeigen möchte, sie endgültig zur Heldin des...
Claudio Monteverdi spielt im Repertoire der großen internationalen Bühnen schon längst nicht mehr die Außenseiterrolle, in die er lange abgedrängt war. Es gab in den letzten vierzig Jahren viele wichtige, ja bahnbrechende Interpretationen in szenischer wie musikalischer Hinsicht. Der Amsterdamer Zyklus seiner drei abendfüllenden Opern, der jetzt bei Opus Arte auf...
Da ist gerade ein Mann Amok gelaufen und hat alles um sich herum zerstört. Nun überfällt ihn eine plötzliche Müdigkeit. Lediglich zwei warme, zarte Viole
d’amore begleiten den Mann. Und niemand weiß, ob es danach jemals wieder ein Leben gibt. Es war dies die ergreifendste Szene des ganzen Abends. Das Erwachen von David Daniels in der Münchner Erstaufführung von...
