Aus dem Leben eines Taugenichts
Ehrgeiz ist ein unzuverlässiger Freund. Ich habe mein Leben lang versucht, die richtige Balance zu finden, immer meinen alten Gesangslehrer im Hinterkopf. Robert Tear mühte sich nicht bloß mit meiner Stimme ab, er war fast so etwas wie ein Zen-Meister für mich. Und er gab mir Folgendes mit auf den Weg: «Es ist gut, ehrgeizig zu sein. Man sollte bloß nicht zu genau wissen, was man will. Sonst wird man nur enttäuscht.» Ich habe es versucht und mich darauf abgerichtet, nichts Bestimmtes zu wollen. Das hat auch ganz gut geklappt.
So gut, dass ich mit offenem Mund dastand, als mich einmal ein Dirigent fragte, welche Rollen ich gern aufnehmen würde. (Keine Ahnung! Was weiß ich! Biet mir halt was an, verdammt!)
Weiterkommen wollte ich immer. Klar. Dringend. So ganz allgemein. Beim nächsten Mal einen Job mit mehr Prestige ergattern. Es einfach ein bisschen besser machen. Oder wenigstens besser bezahlt werden. Wenn mich in puncto Karriere mal jemand um Rat fragt (kommt eher selten vor), empfehle ich, es mal mit dieser Haltung zu probieren. Die Reaktion ist meistens dieser mitleidig-ungeduldige Blick. Sie wissen schon, der, den die meisten Leute für Spinner parat haben.
Zugegeben, auch bei ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett
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