Sächsisches Urgestein

Siegfried Kurz war ein eigenwilliger Ausnahmekapellmeister. Ist sein Metier heute vom Aussterben bedroht? Eine Erinnerung aus gegebenem Anlass.

Opernwelt - Logo

Ein eitler Pultstar war er nie. Aber ein Könner ersten Ranges, der das Eisen mit expressiver Intensität schmiedete und neben dem beinahe kompletten klassischen und slawischen Repertoire Ur- und Erstaufführungen von Dessau, Berg, Schönberg, Udo Zimmermann und vielen anderen Zeit­genossen dirigierte, die der Dresdner Staatsoper in schwieriger Zeit bedeutungsvolle Erfolge bescherten. Man darf Siegfried Kurz mit Fug und Recht als einen der vitalsten und vielseitigsten Kapellmeister des renommierten Opernhauses an der Elbe bezeichnen.

Ja, der Dirigent und Komponist, der noch heute an den Radebeuler Weinbergen zu Hause ist, hat Spuren im Dresdner Musikleben hinterlassen. Er zählte stets zu den Dirigenten, die sich nicht nur bei spektakulären Premieren auffällig engagierten, sondern durch ihren entschiedenen Einsatz im Opern­alltag auffielen. Gerade da gab er mit seinem von absoluter Metierbeherrschung getragenen, so schlackenlos klaren wie scharfkantigen Dirigieren den Auffüh­rungen entscheidende Impulse. Mir ist eine «Ariadne»-Aufführung in Erinnerung, in die ich in den sechziger Jahren unversehens geriet (damals noch im Kleinen Haus der Dresdner Staatstheater). Da trat der noch nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2007
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Eckart Schwinger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus der Wundertüte

Eine Neuinszenierung der «Zauberflöte», das bedeutet den Ernst- und Prob­lemfall einer Opernaufführung schlechthin. Sogar für Hans Neuenfels. In Berlin hatte der Altmeister des Opernskandals immer Glück. Nach einschlägigen Erfahrungen in Frankfurt fand er mit Verdis «Forza del destino» 1982 an der Deutschen Oper den Schlüssel für seine Zukunft: Unter all seinen...

Verdi: Simon Boccanegra

Verdis «Simon Boccanegra», ein Meis­terwerk, war in Berlin seit über zwanzig Jahren nicht zu sehen. Weder Giancarlo del Monacos Vorgängerinszenierung (unter Giuseppe Sinopoli) noch Claudio Abbados konzertanter Einsatz mit den Berliner Philharmonikern konnte dem Werk dauerhaft nützen. Lorenzo Fioroni, der bisher in Münster und Kassel hervorgetreten ist, inszeniert...

Stileinheit

Ihre Antworten sind so unmissverständlich wie ihre Art, Musik zu machen: «Es gibt keine Spezialisten und Nicht-Spezialisten, es gibt nur Stimmen, die passen, und Stimmen, die nicht passen.» Damit sind alle weiteren Fragen, warum Emmanuelle Haïm sich vor Jahresfrist für Ian Bostridge als Orfeo und nun für Rollando Villazón als Testo im «Combattimento di Tancredi e...