Marionettentheater
Schauplatz Hamburg. Siegmund, mit Dreitagebart und im Parka, steht nach dem Gewoge des Gewitters wie eine Wachs- oder Robert-Wilson-Figur vor der kahlen Küchenzeile, in der Hunding haust. Ein Fremder schreitet vorbei, schnippt mit den Fingern und löst die Figuren aus der Erstarrung. Der Sinn erschließt sich erst mit Beginn des zweiten Aktes. Der Fremde ist Wotan, sitzt nun vor einem Tisch mit dem Modell der Küche und spielt mit den Figuren eine Art von Schach.
Es scheint, als sei die These der Gehirnforschung, dass der freie Wille des Menschen eine schöne Fiktion ist, fürs Regie-Theater brauchbar. In der Inszenierung von Claus Guth sind die Willenlosen Marionetten eines Spielers, der sich in den Fäden, an denen er zieht, selbst hoffnungslos verstrickt.
Was die Emotionen betrifft, ist Hundings Hütte in Hamburg eine Gefrierkammer. Während in der Lübecker Inszenierung von Anthony Pilavachi schon der erste Blick bei Siegmund und Sieglinde den coup de foudre auslöst und der erste Akt erotisch aufgeladen ist wie das Wälsungenblut in der Novelle von Thomas Mann, sieht Sieglinde in Hamburg den fremden Mann bei der ersten Begegnung nicht an. Statt des «seimigen Metes süßen Trank» ...
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Die Opernhäuser Deutschlands sind mit zunehmenden Herausforderungen und Bedrohungen konfrontiert. In einer Zeit knapper Kassen wächst der Legitimationszwang. Der traditionelle Repertoirebetrieb, festangestellte Ensembles und Orchester, machen die Opernlandschaft Deutschlands zu einer aufwändigen Sache. Weltweit gibt es nichts Vergleichbares. Zunehmend wird Oper...
In seiner mit Spannung erwarteten Stuttgarter Inszenierung hat Karsten Wiegand Verdis «Aida», man kann es nicht anders sagen, in den Sand gesetzt. Er ließ sich von Bärbl Hohmann einen goldglänzenden Kasten auf die Bühne wuchten: Antichambre für die wartende Priester- und Hofkamarilla einer totalitären Diktatur, auswegloses Gefängnis für drei junge Menschen – Aida,...
Doch. Man wird bei Laura Scozzis Neuinszenierung von «Benvenuto Cellini» drei Stunden lang gut, teilweise sogar blendend unterhalten. Aber nach der mit Spannung erwarteten ersten Opernpremiere des neuen Staatsintendanten Peter Theiler vermag ich dennoch nicht in Jubel auszubrechen. Denn der Abend war zwar kurzweilig und in sich stimmig, er bot zum Teil großartige...
