«Fremd bin ich eingezogen»
s ist kalt in Frankfurt. Knappe zehn Minuten nur dauert der Weg vom Hauptbahnhof bis zum Schauspielhaus: weißlicher Atemhauch aus Trinkerkehlen, blinkende Sex-Shop-Leuchtschriften, misstrauisch dreinblickende Passanten und gierige Krähen, die sich um halbverzehrte Döner balgen. Gefrorene Herzen, einsames Elend der Heruntergekommenen.
Und vorbeieilende Banker dazu, mit Knopf im Ohr: Wahrscheinlich hören sie sogar Schubert, «Schwanengesang» oder «Winterreise», neueste Aufnahme, Brendel-Goerne natürlich, wiegen ihr Gewissen im samtig pedalisierten Marschrhythmus, die eigene Rührung als Beweis nehmend, dass sie selbst eigentlich das Herz auf dem rechten Fleck haben, dass all dies Elend zwar schlimm, aber nun mal gottgegeben ist.
Vielleicht ist es tatsächlich Zeit, diese Lieder vor Musikmissbrauch zu schützen. Vielleicht kann die rein akustische Präsenz, auf CD ebenso wie in der neutralen Rahmung der klassischen Liederabend-Pose, die existenzielle Dringlichkeit der Schubert’schen Musik immer weniger vermitteln, läuft die Abrechnung mit der Welt Gefahr, zur sanften Seelenmassage aufzuweichen. Und vielleicht braucht es die zuspitzenden, verfremdenden Gewaltmittel der Bühne, damit ...
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Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Thema: Szenische Liederabende, Seite 30
von Jörg Königsdorf
Mit seinem ersten Operndirigat im auferstandenen «Teatro La Fenice» huldigte Venedigs Musikchef Marcello Viotti seiner besonderen Leidenschaft: der Pariser «Grand Opéra». Massenets Fünfakter «Le Roi de Lahore», ein seit langem wenig gespielter Klassiker der Gattung, erlebte unter Viotti, der zugleich auch eine kritische Edition der Partitur besorgte, eine...
An der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Antonio Vivaldi hat «Orlando Furioso» gewichtigen Anteil: Die weltweit ausgestrahlte szenische Produktion dieser Oper anlässlich des Vivaldi-Jahres 1978 mit Marilyn Horne in der Titelrolle machte ein breites Publikum erstmalig darauf aufmerksam, dass Händel nicht der einzige Barockkomponist gewesen ist, der Opern...
«Tristan» ist in Italien, neben dem üblichen Verdi-Donizetti-Bellini-Rossini-Repertoire, ein eher selten gespieltes Werk. In Neapel war er zuletzt 1973 zu hören – Operngänger unter fünfzig, die nicht reisen, hatten ihn also noch nie auf der Bühne gesehen. Aber selbst Heuler wie «Traviata», «Aida» oder der «Barbier von Sevilla» müssen, bei höchstens drei oder vier...
