Im Strudel der Metamorphosen
Ich sind viele. Eine Binse eigentlich. Kein Mensch lässt sich auf den Einen, die Eine, das Eine verrechnen. Das Selbst ist ein fluides Kompositum, labile Schnittmenge verschiedener Einflüsse und Prägungen: Genetik und Gesellschaft, Biologie und Kultur, Gegenwart und Geschichte fließen da, oft unentwirrbar, als formierende Faktoren zusammen. Doch nicht selten erfährt gerade das Offensichtliche besonders heftigen Widerstand.
Die Sehnsucht nach zeitlosen Gewissheiten, nach unveränderlichen Maßstäben und unerschütterlicher Stabilität kann, zumal in Zeiten post-faktischer Kampagnen, alle vernunftgeleitete Erkenntnis über die Komplexität der Wirklichkeit übertönen. Am Beispiel des Sperrfeuers, das die Apostel einer Nation, Blut und Boden beschwörenden identitären Erweckung auf die von der amerikanischen Philosophin Judith Butler angestoßenen Queer- und Gender-Debatten orchestrieren, lassen sich die – kräftig geschürten – Ängste vor der Einsicht, dass das Hybride, Vieldeutige im Grunde der Normalfall ist, exemplarisch beobachten.
Ein Dorn im Auge identitärer Ideologen dürfte auch Virginia Woolfs erstmals 1928 erschienener Roman «Orlando» sein. Nicht nur, weil er heute als ein ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann
Hanns Eisler, bekannt für seine scharfe Zunge (deretwegen ihn sein geistiger Ziehvater Arnold Schönberg gerne «übers Knie gelegt» hätte), machte in seiner Kritik am reaktionären gesellschaftlichen Verhalten in der Musik auch vor den großen Meistern nicht halt.
Im Gespräch mit Hans Bunge bemerkte er, «dass selbst bei (…) Mozart noch das Klirren der Teetassen und...
Frau Sarré, es heißt, in den Familien werde nicht mehr gesungen.
Leider. Die musikalische Prägung ist enorm wichtig. Wir müssten eigentlich nicht nur in den Familien ansetzen, sondern auch in den Kindergärten und Schulen. Das passiert zu wenig. Potenzial ist bei Kindern vorhanden, es wird aber zu wenig geweckt. Die Kinder unseres Chors lernen früh auch ein...
Zum Ausklang der Saison 2018/19 stand an der Opera di Roma Mozarts «Idomeneo» auf dem Spielplan – zum ersten Mal seit 1983. Beworben wurde die Koproduktion mit Madrid, Kopenhagen und Toronto als provokative Deutung im Sinne tagesaktueller Krisen. Robert Carsens Neuinszenierung löst das durchaus ein – wobei die freundliche Aufnahme durch das römische Publikum...
