Strom der Empfindungen
Man hört es und fühlt sich sogleich erinnert. Dieser Seufzer! Unzählige Male wurde er in die Welt entsendet, so häufig und so verzweifelt, dass man irgendwann gar nicht anders konnte, als still und leise mitzuseufzen. Auf welchen Wegen aber gelangte dieses Sekundmotiv in ein Stück, das nicht «Pique Dame» heißt und aus der Feder Peter Iljitsch Tschaikowskys stammt? Ganz einfach: Es fiel einem Eklektiker in die Hände, präziser: dem 1956 geborenen schwedischen Komponisten Rolf Martinsson. Macht aber nichts. Klingt trotzdem schön. Immer wieder.
Und passt ja auch zum Sujet.
Denn in diesem Garten der Hingabe geht es ähnlich trist und trübe zu wie in Hermanns, des Spielers, Seele. Mit dem feinen Unterschied, dass in Martinssons Lied-Zyklus «The Garden of Devotion» auf Gedichte von Rabindranath Tagore die Geschichte einer unerwiderten Liebe einem Sopran und einem Streichorchester überantwortet ist. Lisa Larsson, Landsfrau von Martinsson, erfüllt die Vorgaben der Partitur in idealer Weise. Ihr glockenhell timbrierter Sopran leuchtet in lyrischer Intensität und übertönt selbst in melismatischen Momenten locker den süffigen Streichersatz. Die Nähe zur filmmusikalischen Untermalung ist ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 50
von Jürgen Otten
Seit 1993 bittet «Opernwelt» Musikjournalisten um ihre persönliche Bilanz der jeweils vorausgegangenen Spielzeit. Im ersten Jahr kamen die Voten beinahe ausschließlich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bald nahmen auch Kritiker aus Italien, Frankreich, Großbritannien, den Benelux-Ländern und den USA an unserer Umfrage teil. Seit 1998 steuern Jahr für...
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