Vergiftet
Weißkühl und zugig ist die Bühne, die Henrik Ahr für die Düsseldorfer «Arabella» entworfen hat. Ohne Raum zum Rückzug, Winkel für Vertraulichkeiten. Im Gegenteil: Die hintere Wand bilden zwei portalhohe, zusammen bühnenbreite Drehtüren, durch die immerfort einer hineingeweht oder hinausgeblasen wird. Ein solcher Ort lässt sich unmöglich kontrollieren; diese Erfahrung macht Zdenka gleich in der ersten Szene.
Während Mutter Adelaide mit der Kartenaufschlägerin schäkert, kämpft sie mit einem steten Zustrom von Paketsendungen und Rechnungen – und hat damit gerad’ so viel Erfolg wie Sisyphos mit seinem Fels.
Angesichts der Schachteltürme darf man vermuten, dass am Niedergang der Familie Waldner Adelaides Shopping-Wahn nicht minder schuld ist als die Spielsucht des Rittmeisters a.D. Der eigene Verantwortungsmangel beschwert die Eltern freilich kaum – sie können’s kaum erwarten, die Töchter zu verscherbeln, und sind auf dem Fiaker-Ball weit mehr in ihrem Element als der Nachwuchs. Regisseurin Tatjana Gürbaca führt uns an diesem Paar auf amüsante Weise die so gar nicht amüsante Zukunft vor, die Arabella an der Seite eines der drei Grafen bevorstünde: In ihren 80er-Jahre-Klamotten gehaben ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wiebke Roloff
Zu Sebastian Baumgartens Bayreuther «Tannhäuser» ist in dieser Zeitschrift das Notwendige gesagt worden (siehe OW 9-10/2011). Über Joep van Lieshouts «Technokrat»-Installation, in der die Figuren zur Biomasse einer auf Bedeutungshuberei gepolten Assoziationsmaschine schrumpfen. Über die prätentiöse, dialektisch verschraubte Antitheater-Attitüde, der alle Emphase...
Bildmacht ist Barrie Koskys Theater gewiss nicht abzusprechen. Olympia: ein Doppelwesen, bestehend aus einer tumben Stoffpuppe (einem Mann) und einem Automatenmöbel, aus dessen mittlerer Schublade ein roter Rapunzel-Zopf hervorzüngelt. Hoffmann, aufgespalten in gleich drei Figuren, sitzt als alter Mann (Uwe Schönbeck) auf einer Riesenraute aus leeren Pfandflaschen...
Herr Terfel, Sie sind einer der erfolgreichsten Sänger überhaupt. Woher kommen die Gerüchte, Sie wollten Ihre Karriere aufgeben?
Vor einiger Zeit habe ich für ein Jahr meine Opernaktivitäten ausgesetzt, um mich auf Lied und Oratorium zu konzentrieren – Oper kostet viel Zeit. Und mit 45 war ich tatsächlich an einem Punkt, an dem ich darüber nachgedacht habe, mich...
